Zeitung Heute : Wie E–Autos in die Gänge kommen

Neues System der IAV-Entwickler soll Fahrzeuge schneller und billiger machen.

Hochschalten möglich. Der neue Antrieb hat einen zweiten Gang. Foto: pa/chromorange
Hochschalten möglich. Der neue Antrieb hat einen zweiten Gang. Foto: pa/chromorangeFoto: picture-alliance

Elektroautos, das klingt immer noch nach Utopie. Dabei gibt es bereits Neubauten von Mehrfamilienhäusern, in deren Tiefgaragen Steckdosen zum Wiederaufladen der Batterie fest installiert sind. Für jede Familienkutsche eine. Ein vorausschauender Akt der Architekten, muss man sagen. Denn bisher fahren laut Bundesregierung etwa 1500 Elektroautos auf deutschen Straßen. Zum Vergleich: Insgesamt sind nach einer Statistik des Kraftfahrtbundesamts 51 Millionen Fahrzeuge angemeldet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Minister haben sich aber großes vorgenommen: Bis 2020 sollen mindestens eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen fahren, bis 2030 sogar sechs Millionen. Dieses Ziel wurde im Mai in einem Regierungsprogramm beschlossen. Außerdem will die Regierung die Einführung mit Steuerentlastungen und Sonderrechten im Straßenverkehr fördern.

Das Berliner Entwicklungsunternehmen IAV forscht ständig an der Verbesserung der E-Autos und ist für einen neuartigen elektrischen Antrieb nun mit dem Innovationspreis ausgezeichnet worden. Der sogenannte DrivePacEV80 habe im Vergleich zu seinen Vorgängern vor allem zwei entscheidende Vorteile, erläutert Ingenieur Erik Schneider. Er leitet eine Forschungsabteilung des Unternehmens, das außer in Berlin weitere Entwicklungszentren in Chemnitz und im niedersächsischen Gifhorn betreibt. „Unser Antrieb ermöglicht eine höhere Zugkraft und somit höhere Beschleunigung“, sagt Schneider. Normalerweise werden E-Antriebe mit einem Gang gebaut, dieser aber ist nun mit einer Zwei-Gang-Schaltung versehen. „Außerdem erreichen wir mit ihm eine höhere Effizienz.“ Also: Bei gleicher Batterieleistung kommt man mit einem Wagen, der den DrivePacEV80 eingebaut hätte, weiter. Etwa 16 Prozent, so der Fachmann. „Das ist in diesem Bereich schon eine erhebliche Größe.“

Wie immer geht es bei Autos auch um Fahrspaß „und der ist hier einfach größer“, sagt Schneider. Schließlich wollen die Forscher auch Kaufanreize schaffen – zu Gunsten der Umwelt. Denn bisher ist die Akzeptanz bei der Bevölkerung für E-Autos eher gering. Den meisten sind diese Fahrzeuge einfach noch zu teuer. „Wer will schon 50 000 bis 100 000 Euro ausgeben?“, fragt Schneider. Hinzukommt, dass viele der Autos sehr schnell schlapp machen und eher für den Stadtverkehr geeignet sind. Viele haben die Sorge, dass sie nicht schnell genug eine Stromzapfstelle erreichen, bevor der Wagen stehen bleibt.

„Die Frage nach den Kosten schwingt bei all unseren Überlegungen natürlich mit“, sagt der Ingenieur. Deshalb wurde der Antrieb so kompakt und leicht gehalten, wie möglich. „Üblicherweise bestehen die Modelle heutzutage aus verschiedenen Komponenten. Getriebe, Maschine und alles andere wird einfach zusammengesteckt. Wir haben die Teile in einem System miteinander verheiratet“, sagt Schneider. Außerdem ist der Antrieb in verschiedenen Fahrzeugtypen einsetzbar. „Der passt in einen Smart, aber auch genauso in einen Golf oder noch eine größere Klasse.“ Das würde die Produktion wirtschaftlicher machen – und damit günstiger für den Endverbraucher.

Das Unternehmen besteht seit 28 Jahren. In der Vergangenheit hat es zum Beispiel auf sich aufmerksam gemacht, weil seine Forscher vorgeschlagen hatten, Elektroautos künftig nicht mehr per Kabel wiederaufzuladen sondern über die Fahrbahn – per Induktion, wie man das vom heimischen Küchenherd kennt.

Am DrivePacEV80 haben die Ingenieure gut zwei Jahre mit einem Team von 20 Mitarbeitern getüftelt. Bisher läuft der Antrieb jedoch nur als Prototyp im Unternehmen. Marktreif sei die Innovation, sagt Schneider. Das sieht auch die Jury so: „Die Innovation ist ein nachhaltiger Ansatz zur weiteren Entwicklung rein elektrischer Fahrzeugantriebkonzepte, die weit über den Stand der Technik hinaus signifikante Potenziale für Energieeffizienz und Performance aufweist. Die neuartige Antriebseinheit kann einen wichtigen Beitrag für eine deutliche größere Marktakzeptanz von Elektrofahrzeugen leisten,“ so die Begründung. Anna Pataczek

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