Zeitung Heute : Wie ein amerikanischer Systemmanager ein Jahr lang im Internet überleben will

System-Manager Mitch Maddox aus Dallas im US- Bundesstaat Texas bereitet sich auf das Abenteuer seines Lebens vor. Vom 1. Januar 2000 an will der 26-jährige Texaner ein volles Jahr lang nur "auf dem Internet" leben. Maddox, der seinen Namen dafür bereits amtlich in DotComGuy geändert hat, wird in ein völlig leeres Haus in Dallas ziehen - ausgerüstet nur mit Kreditkarte, Computer und High-Speed-Internetanschluss.

Alles, was er zum täglichen Leben braucht, von Möbeln bis zu Nahrungsmitteln, muss er per Internet kaufen und anliefern lassen. Cyber-Gast DotComGuy darf das Haus nur im Fall eines Todes oder einer schweren Erkrankung in seinem engeren Familienkreis verlassen. Er darf den Garten betreten, Besuch von Freunden und Verwandten haben.

Die Aktion ist ein Werbegag mehrerer Firmen, die alle im Internet-Geschäft sind. Unter den Sponsoren sind eine Radiostation, eine Internet-Bank, ein Internet-Kaufhaus, ein Internet-Lebensmittel-Zulieferer, eine Telefongesellschaft und eine Tageszeitung. Sie wollen nach einer Presseerklärung "demonstrieren, dass das Internet ein sicherer und verlässlicher Ort zum Einkaufen ist".

Über das Netz kann jeder DotComGuy rund um die Uhr per Video auf einer so genannten "streaming website" beobachten. Das erinnert an Filme wie "Truman Show" oder "EdTV" oder das niederländische "Big Brother". Web-Surfer können auch Kontakt mit ihm aufnehmen. Die Cyber-Kommunikation läuft über E-Mail, die DotComGuy so oft wie möglich beantworten will.

Per Website kann man Daten über sein Leben auskundschaften: seine Einkäufe per Internet, seinen Kontostand und andere persönliche Fakten. Wie DotComGuy alias Mitch Maddox das gefallen wird, ist offen. Noch blickt der gestylte Blondschopf im schwarzen Muskel-T-Shirt dem Besucher seiner Website ( www.dotcomguy.com ) strahlend und selbstbewusst entgegen, wobei sich die Homepage - zumindest derzeit - noch nicht mit Informationen überschlägt. Damit wird offensichtlich noch gewartet, bis DotComGuy seine selbstgewählte Internet-Isolation tatsächlich beginnt.

Für das Experiment wird er gut bezahlt. Im Januar erhält er ein Gehalt von nur 24 Dollar (rund 48 Mark), das sich dann jeden Monat verdoppelt, um ihn davon abzuhalten, das Keyboard hin zu schmeißen und aus seinem Cyber-Käfig auszubrechen. Am Ende des Jahres 2000 summiert sich das auf 98 000 Dollar, was nach derzeitigem Kurs 196 000 Mark entspricht. Damit wäre sein Netzaufenthalt nicht nur der längste, sondern zugleich auch der am besten bezahlte von allen Selbstversuchen zum derzeit beliebten Thema "Wie überlebe ich ausschließlich über das Netz".

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