Zeitung Heute : Wie eine gute politische Opposition

Der Tagesspiegel

Die Volkswagen-Stiftung startet eine neue Förderinitiative, um wissenschaftliche Analysen für wichtige Zukunftsfragen der Gesellschaft zu unterstützen. „Erster Baustein ist ein Programm zur Transformation des Sozialstaates“, sagte Generalsekretär Wilhelm Krull anlässlich eines Festaktes in Berlin zum 40-jährigen Bestehen der Stiftung. „Wir wollen den Austausch zwischen Wissenschaftlern, Politikern, Unternehmern und Verwaltungsfachleuten fördern, um Lernprozesse anzuregen.“ Angesprochen sind junge Betriebswirte, Volkswirte, Politologen, Soziologen, Juristen, Historiker, Sozialpädagogen und andere Praktiker mit wissenschaftlichen Abschlüssen. Sie können nach der Promotion in einer Verwaltung oder Behörde mitarbeiten, um dort Erfahrungen zu sammeln. Je Gastaufenthalt vergibt die Stiftung bis zu 80 000 Euro im Jahr, beispielsweise für Gehalt, Reisekosten oder andere Sachmittel. Die erste Ausschreibung erfolgt Mitte dieses Jahres.

Die Volkswagen-Stiftung entstand Anfang der 60er Jahre aus der Privatisierung des Volkswagen-Werkes in Wolfsburg. Damals legten der Bund und das Land Niedersachsen ihren juristischen Streit um die Eigentümerschaft bei, indem sie aus dem Privatisierungskapital eine private Stiftung zur Förderung der Wissenschaft gründeten. Heute gehört die VW-Stiftung mit dem britischen Wellcome Trust zu den wichtigsten privaten Wissenschaftssponsoren in Europa.

Jährlich schüttet sie rund 100 Millionen Euro an deutsche Wissenschaftler aus. Innerhalb der vergangenen vierzig Jahre kamen knapp drei Milliarden Euro zusammen, über 27 000 Projekte erhielten Zuwendungen. Berliner Hochschulen und Institute erhielten allein in den vergangenen beiden Jahren acht Millionen Euro. Mit zehn von der Volkswagen Stiftung geförderten Nachwuchsgruppen erhält die Stadt die meisten Fördermittel, gefolgt von München mit sieben Gruppen. Am 14. März bewilligte das Kuratorium der Stiftung weitere zehn Projekte in Berlin, die Fördersumme beträgt rund drei Millionen Euro.

Auf einem Symposium im Schloss Bellevue forderte Richard Brook, Materialforscher aus Oxford, die privaten Stiftungen und Mäzene auf, vor allem die „Neugier als Triebkraft der Forschung gesund zu halten“. Sie könnten die eingeschliffenen Wege der staatlichen Förderung korrigieren. Den Stiftungen komme somit in der Wissenschaftsförderung eine äußerst wichtige Rolle zu, „vergleichbar mit der einer guten politischen Opposition“. Heiko Schwarzburger

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