Zeitung Heute : Wie entkomme ich den Kollegen?

Elisabeth Binder

Immer wieder sonntags fragen Sie

Kürzlich haben Sie eine Frau ermutigt, in einem Kreis von Kolleginnen zu bleiben, obwohl eine schlimme Nervensäge dazu gehörte. Mich würde aber interessieren, wie man aus so einem Kreis wirklich herauskommt, ohne jemanden vor den Kopf zu stoßen.

Sie wollen Ihre Zeit besser verbringen, das aber den anderen so nicht sagen. Manchmal hilft Ehrlichkeit tatsächlich weiter. Was würden Sie denn in der Zeit gern tun? Sich lieber um Ihre Familie kümmern? Die Zeit mit wirklich guten Freunden verbringen? Einfach mal ausspannen und gar nichts tun? Ein Buch lesen? Eine Sprache lernen?

Man könnte den anderen doch nett und freundlich sagen, dass man für eine Weile mal andere Prioritäten setzen muss. Ein sanfter Ausstieg ist sicher klüger als die Kündigung der Freundschaft auf Nimmerwiedersehen. Vielleicht müssen Sie sich ja wirklich mal intensiver um alte Freunde kümmern. Wenn Sie zwei oder drei Termine abgesagt haben, natürlich mit allen notwendigen Bekundungen des Bedauerns, dann erlauben Sie sich doch das Fazit, dass ein lockerer Kreis, so nett er auch sein mag, Ihr Zeitbudget im Moment etwas überfordert. Man kann ja auch klar machen, dass man es für nicht nett hält, nur alle paar Male quasi als Gast-Star aufzutreten und die anderen nicht mit Unzuverlässigkeit nerven will. Sagen sie doch, dass Sie mal eine Pause brauchen und hoffen, dass man Sie wieder aufnimmt, wenn in Ihrem restlichen Leben wieder mehr Muße vorhanden ist. Rechnen Sie aber nicht mit einer unkomplizierten Rückkehr, falls Sie den Entschluss bereuen.

Wollen Sie aus dem Kreis wirklich raus, ist das allerdings schon ein Zeichen, dass Ihnen gar nicht so viel an der Meinung der Kolleginnen liegt. Wenn Sie spüren, dass Sie eine Außenseiterrolle übernommen haben, schalten Sie Ihren Charme auf Vollgas. Eine andere Möglichkeit bestünde in dem Versuch, den Kreis zu verändern, anspruchsvolle Aktivitäten durchzusetzen, die Ihnen sinnvoll erscheinen. Lässt sich niemand drauf ein, würde man Ihr Wegbleiben vielleicht als Frust interpretieren. Was immer noch besser wäre, als wenn Sie den Eindruck erwecken, Ihre Zeit sei Ihnen schlicht zu schade.

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