Zeitung Heute : Wie ersetze ich den Händedruck?

Elisabeth Binder

Immer wieder sonntags fragen Sie

Leider ist es immer noch so, dass alle einem dauernd die Hand schütteln wollen. In der Verwaltung scheint es mir besonders schlimm zu sein. Kann man denn wirklich gar nichts dagegen tun?

Zugegeben, es kann schwierig sein, eine ausgestreckte Hand einfach zu verweigern. Ich habe es früher ja schon mal thematisiert und an den Reaktionen gemerkt, wie umstritten dieses Thema ist. Manisches Händeschütteln trägt freilich dazu bei, Erkältungen zu verbreiten. Deshalb ist es in anderen (vernünftigeren?) Kulturkreisen auch gar nicht üblich. Lächeln Sie Entgegenkommende besonders freundlich an und heben Sie dann die Hände mit einem entschuldigenden Lächeln: „Tut mir leid, kann gerade keine Hand geben.“ Das wird Ihre Kollegen neugierig stimmen, und bei nächster Gelegenheit können Sie dann das Rätsel lösen und Ihre Vorbehalte erklären.

Man muss ja nicht oberlehrerhaft auftreten, wenn man einem Verhalten, das man selbst für vernünftig hält, mehr gesellschaftliche Anerkennung verschaffen will. Ich würde diese Abneigung lieber wie eine Marotte inszenieren, das wirkt sympathischer, gibt anderen hoffentlich freundlichen Lästerstoff und regt dadurch dazu an, scheinbar Selbstverständliches noch einmal zu überdenken. Ein extrastrahlendes Lächeln, ein fester Blickkontakt sollten doch ein guter Ersatz sein für einen routinierten Händedruck, der oft genug von einem alltagsmüden Gesicht begleitet wird. Auch freundliche Bemerkungen und kleine Komplimente können über das ausgeschlagene Patschhändchen hinwegtrösten.

Viele eigentlich unnütze Sitten halten sich nur, weil sie nie in Frage gestellt werden. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, klar. Gerade deshalb muss es Trendsetter geben, die solche Gewohnheiten ändern und optimieren. Was hält Sie davon ab, einer zu sein?

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