Zeitung Heute : Wie gefährlich ist Fliegen?: Lange Strecken bergen Gefahren

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er nicht nur was erleben, sondern setzt seinen Körper erhöhtem Stress aus. Das gilt besonders für Langstreckenflüge, wo die Passagiere in engen Reihen hintereinander sitzen und die Beine nicht richtig bewegen können. Der Thrombose-Tod einer 28-Jährigen auf dem Weg von Sydney nach London vor einigen Wochen hat die Diskussion neu entfacht: Wie gefährlich ist Fliegen und wie können die Risiken eingeschätzt werden?

Rupert Gerzer, Luftfahrtmediziner des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, weist darauf hin, dass bei vorbelasteten Patienten mit Krampfadern und Durchblutungsstörungen Thrombosen auf Langstreckenflügen überdurchschnittlich häufig auftreten. Solchen Reisenden empfiehlt er, vor Antritt des Fluges einen Arzt um Rat zu bitten. Im Flieger sollten Passagiere viel trinken und sich so häufig wie möglich die Beine vertreten und die Zehen bewegen.

Berichte über eine risikomindernde Wirkung des Medikaments Aspirin weist er als falsch zurück: Das Schmerzmittel sei gut als Prophylaxe gegen einen Herzinfarkt, sorge aber nicht für eine bessere Durchblutung der Venen zum Herzen.

Vor dem Flug sollten Passagiere die Kabinenbesatzung auf eigene mögliche Risiken hinweisen, rät Peter Jacobus von der Flugbegleiterorganisation U.F.O. Wichtige Medikamente, die dem Passagier helfen können, würden oft in Koffer gepackt, die während des Fluges im Laderaum unerreichbar sind, anstatt sie im Handgepäck aufzubewahren.

Der leitende Arzt der Lufthansa, Lutz Bergau, weist darauf hin, dass Kunden bei 5000 Reisebüros entsprechende Informationen über Belastungen und Risiken durch Flugreisen abfragen können. Ähnliche Angebote machten auch die Apotheken.

Eine zunehmende Belastung für die Passagiere bei Fernflügen sind die immer kürzer werdenden Transitzeiten, die Passagiere und Crew zusätzlich stressen. Deswegen sollten Passagier bei ihrer Reiseplanung auf ausreichende Zeit für das Erreichen des Anschlussfluges achten. "Der Enkel, der seiner Oma den billigsten Flug, mit den kürzesten Transitzeiten aus dem Internet gesucht hat, tut ihr damit keinen Gefallen", sagte Georg Fongern. Denn auf den wachsenden Megaflughäfen der Welt könne Umsteigen selbst zu einer kleinen Fernreise werden.

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