Zeitung Heute : Wie gehe ich mit Macker-Typen um?

Elisabeth Binder

Immer wieder sonntags fragen Sie

Kürzlich saß ich mit zwei Geschäftspartnern in einer Hotellobby zusammen. Beide hatten die Füße auf den Boden gestellt und saßen da mit weit auseinandergespreizten Knien. Das hat mich gestört. Gehört sich das denn?

Hätte es sich um Frauen gehandelt, dann würden viele auf den Gedanken kommen zu sagen: diese Schlampen. Bei Männern geht leider vieles durch, obwohl es eben eigentlich wirklich nicht geht. Schlimmer noch: In gewissen Kreisen scheint es sogar als schick zu gelten, so zu sitzen. Man glaubt, mit der lässigen Exposition eher empfindlicher Körperstellen Stärke und Furchtlosigkeit demonstrieren zu können, und erkennt nicht, dass es sich lediglich um eine ziemlich blöde Macker-Allüre handelt, die, wo die Männerquote weit überdurchschnittlich hoch ist, leider sogar in den besten Kreisen vorkommt. Erfolgreiche Manager und Banker sind nicht immer auch mit überdurchschnittlicher Sensibilität gesegnet. Zunehmend bieten Unternehmen ihren Mitarbeitern zwar Benimmkurse an, aber das geschieht natürlich nicht flächendeckend. Wie reagiert man am besten? Pädagogisch überzeugend wäre vermutlich eine Karikatur dieser Sitzhaltung, aber normal empfindende Frauen bringen das nicht über sich, selbst wenn sie einen strengen Hosenanzug tragen. Eine gerunzelte Stirn erreicht den Empfänger in der Regel nicht, weil sie als Ausdruck von Missbilligung viel zu schwach ist, um die Mauer manischen Mannesstolzes zu durchbrechen. Es hilft nichts, Sie müssen die Kerle in eine Situation bringen, wo sie diese Körperhaltung nicht zum Einsatz bringen können. Tagungsräume sind in Hotels in der Regel ja vorhanden. Sagen Sie zum Beispiel: „Bitte, entschuldigen Sie, wollen wir uns nicht einen Tisch suchen, da sitzt es sich angenehmer.“ Da Sie ja Geschäfte machen wollen, können Sie schlecht den weiblichen Macker geben und sagen: „Schließen Sie bitte Ihre Beine, bevor ich abhebe.“ Was eigentlich schade ist.

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