Zeitung Heute : Wie gesund ist der Frühjahrsputz?

Auf die Technik kommt es an – auch beim Wischen

Andreas Austilat

Es ist wie so vieles eine Frage der Haltung. Da gibt es zum Beispiel Männer, wenn man die beim Polieren des Kühlergrills ihres Autos beobachtet, dann könnte man den Eindruck gewinnen, Putzen sei eine lustvolle Handlung. Würde der gleiche Mann eine Badezimmerarmatur wienern, man käme vielleicht zu einem ganz anderen Schluss. Und überdies würde der arme Kerl sich darüber womöglich krumm und lahm scheuern. Weil er die Finger zur Faust ballt, nicht locker aus dem Handgelenk, sondern aus der Schulter heraus arbeitet. „Das geht aufs Kreuz", sagt Katharina Zaugg. Die 53-jährige Schweizerin muss es wissen. Sie hat nämlich nicht nur studiert, Ethnologie und Anglistik, sie hat auch 15 Jahre lang als Putzfrau gearbeitet.

Heute bietet Katharina Zaugg Seminare an, in Deutschland und der Schweiz, vor Hauswirtschaftsschülern und Hotelpersonal. Ihr Credo hat sie auch als Buch veröffentlicht: „Wellness beim Putzen“. Du liebe Zeit, ausgerechnet Wellness? „Ja“, sagt sie, der Begriff ist ihr auch nicht ganz geheuer, aber Wohlfühlerhöhungsprogramm klinge nun einmal nicht besser. Geputzt werden muss nun einmal, da kann ich doch gleich versuchen, es mir ein wenig nett zu machen. Was nicht leicht ist heute, noch nie stand einem einzelnen Menschen so viel Wohnraum zur Verfügung, den es sauber zu halten gilt.

„Gesund bei der Hausarbeit“, die These haben andere schon vorher aufgestellt, Wissenschaftler der australischen Universität. Immerhin konnten sie sich auf eine zweijährige Studie an 900 chinesischen Frauen berufen, nach der 30 bis 40 Minuten körperliche Aktivität – und darunter fällt nach Aussage der australischen Forscher eindeutig auch die Hausarbeit – das Risiko eines Eierstocktumors drastisch senkt. Männer haben bei der Studie nicht mitgemacht, wer weiß was man dann herausgefunden hätte.

Männer halten sich beim Hausputz zurück. Auch dafür gibt es Zahlen, erhoben vom Statistischen Bundesamt. Danach haben Männer jeden Tag 27 Minuten mehr Freizeit, die sie vorzugsweise mit Fernsehen und Hobbys verbringen. Vielleicht entgeht ihnen da was. Zwar konnten die Australier die Ursachen für die gesundheitsfördernde Wirkung des Hausputzes nicht glasklar nachweisen. Aber auf eines konnten sie sich am Ende einigen: Hausarbeit hält fit.

Dass körperliche Arbeit eine vorteilhafte Wirkung auf die persönliche Fitness haben kann, daran hat Dieter Lagerstrøm von der Sporthochschule Köln gar keinen Zweifel: „Dem Körper ist es vollkommen egal, ob sie morgens drei Stunden einkaufen oder um den Block rennen.“ Vielleicht ist sogar das Gegenteil der Fall. „Fett verbrennen Sie nur“, so Lagerstrøms Faustregel, „wenn Sie laufen, ohne zu schnaufen.“

Lagerstrøm erklärt dieses Phänomen damit, dass der Körper prinzipiell auf Ökonomie eingerichtet ist. Wenn sich ein untrainierter Mensch schnell bewegt, dann geht der Körper nicht gleich an seine Fettreserven, er verbrennt erst einmal Zucker, weil die Belastung ohnehin nicht lange aufrechtzuerhalten ist. „Wenn Sie die Fettverbrennung trainieren wollen, müssen sie sich so bewegen, dass Sie nicht außer Atem kommen“, lautet deshalb sein Rat. Und das können auch die gleichmäßig kreisenden Bewegungen beim Fensterputzen sein.

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