Zeitung Heute : Wie gesund ist Rotwein?

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Für Plutarch war der Wein „unter den Getränken das nützlichste, unter den Arzneien die süßlichste“. Über Jahrhunderte wurde der vergorene Traubensaft gezielt gegen alle mögliche Leiden verordnet und von Apothekern an Kranke und Sieche abgegeben. Seine Spur als Genuss und Heilmittel zieht sich als anthropologische Konstante durch alle Kulturen. Die moderne Wissenschaft hat dem Wein zwar ebenfalls ein positives Image umgehängt, doch sein gesundheitlicher Benefit wird inzwischen differenzierter gesehen. Wein kann nützen, er kann aber auch schaden. Es kommt immer auf die Dosis und auf das Individuum an.

Gut untersucht ist die schützende Wirkung des Weins vor Herz-Kreislauf-Krankheiten. Bei mäßigem, regelmäßigen Weingenuss senkt der Wein (auch der weiße!) das Risiko für Herzkrankheiten und Schlaganfall. Weil der Herztod die häufigste Todesursache überhaupt ist, sinkt unter Weintrinkern die Gesamtmortalität: Sie leben länger.

Nachgewiesen sind auch die positiven Einflüsse des Weins auf Verdauung, Niere und Galle, auf Sexualität und Knochendichte. Alte Menschen, die regelmäßig Wein trinken, erkranken außerdem seltener an Alzheimer. Voraussetzung für die positive Wirkung ist allerdings der regelmäßige und vor allem moderate Weingenuss. Moderat heißt für Männer maximal 0,4 Liter am Tag, für Frauen 0,25 Liter.

Viele Menschen vertragen allerdings keinen Alkohol, oder sie können nicht mit diesem Suchtmittel umgehen. Für sie gibt es keine mäßige Dosis, weil sie immer zu viel trinken. Das Suchtpotenzial von alkoholischen Getränken ist mit dem der Opiate vergleichbar und nicht zu unterschätzen. In Deutschland leben drei Millionen behandlungsbedürftige Trinker. Der Übergang vom Weinliebhaber zum Alkoholiker ist fließend. Auf der negativen Seite des Weins stehen außerdem Verletzungen und Unfälle. Auch in kleinen Mengen erhöht der Weinkonsum das Risiko zu verunglücken.

Umstritten ist die Wirkung des Weins auf Krebserkrankungen. Die pflanzlichen Sekundärstoffe des Weins sind zwar krebsverhütend, der Alkohol hat aber krebsfördernde Effekte. Weintrinker haben ein leicht erhöhtes Risiko, am Krebs der oberen Verdauungsorgane zu erkranken (Mund, Rachen, Speiseröhre).

Insgesamt ist die Gesundheitsbilanz des Weins damit leicht positiv. Zählt man Entspannung und Genuss durch Wein als gesundheitsfördernde Effekte noch dazu, wird die Bewertung noch etwas besser.

-man-

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