Wie gesund lebt Deutschland? : Dick, faul und gefräßig

Philip Frank

Die Deutschen müssen mehr für ihre Gesundheit tun – zu dieser Erkenntnis kommt eine Studie der Deutschen Krankenversicherung (DKV) und des Zentrums für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS). Die Studie „Wie gesund lebt Deutschland“ habe ergeben, dass nur 14 Prozent der 2509 befragten Bundesbürger rundum gesund leben, erklärt Ingo Froböse von der DSHS. Mit seinem Team hat er die Aktivitäts- und Ernährungsgewohnheiten der Probanden dokumentiert. Dabei stellte er fest, dass durchschnittlich fast 44 Prozent übergewichtig sind. Beim Bundesländervergleich liegt Sachsen mit 54 Prozent weit über dem Durchschnitt – und an der Spitze. Den letzten Platz belegt Bayern mit knapp 40 Prozent an Übergewichtigen. Diese Zahlen seien aber „nur die halbe Miete“, erklärt Froböse. Sie sagen nicht zwingend etwas darüber aus, ob ein Mensch gesund lebt oder nicht. „Lieber moppelig und fit als schlank und unfit“, sagt der Kölner. Auch unfitte Menschen mit Normalgewicht sind durch Herz- Kreislauf-Probleme gefährdet.

Bei der Beurteilung, ob jemand gesund lebt, haben die Forscher fünf Themenbereiche definiert: Bewegung, Ernährung, Rauchen, Alkohol und Stressempfinden. Die größte Gewichtung lag bei Bewegung und Ernährung. Aufgrund dieser Kriterien ergab sich, dass fast doppelt so viele Frauen rundum gesund leben wie Männer. Auch das Alter ist ausschlaggebend – je älter die Menschen sind, desto gesünder leben sie, vor allem hinsichtlich der Ernährung. Eine Ausnahme bildet jedoch der Alkohol. Es stimme nicht, dass Jüngere mehr Alkohol konsumieren, sagt Froböse. Beim „Rundum-gesund-Index“ hätten die Befragten zwischen 18 und 29 Jahren am schlechtesten abgeschnitten. Im Ranking der Bundesländer steht Mecklenburg-Vorpommern an der Spitze. Dort hätten die Leute weniger Stress und würden eine höhere Alltagsaktivität aufweisen. Diese teilt sich in die Bereiche Arbeit, Transport und Freizeit auf. Menschen mit Hauptschulabschluss bewegen sich am meisten bei der Arbeit, Leute mit Abitur oder Fachhochschulreife sind in der Freizeit am aktivsten. Die Bewegung bei der Arbeit sei allerdings meistens dieselbe, sagt Froböse. Körperliche Aktivität sollte vielfältig sein. Und wichtig sei sie allemal. Jedes Jahr würden in Europa 600 000 Menschen wegen Bewegungsmangels sterben. Sein Fazit: 40 Prozent der Befragten bewegen sich zu wenig, 50 Prozent ernähren sich nicht gesund genug. Dabei habe der Mensch seine Gesundheit selbst in der Hand – 70 Prozent könnten durch den Lebensstil beeinflusst werden, nur 30 Prozent unterlägen dem Diktat der Gene.Philip Frank

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