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Die einzig richtige Bewerbung gibt es nicht. Aber: Erfolgreiche Kandidaten erfüllen die Standards und trumpfen obendrein mit Originalität auf

Roland Koch

Die guten Umschläge sind die kleinen. Wenn ein großer daheim im Briefkasten liegt, ist es mal wieder schief gegangen. Zurückgeschickte Bewerbungsunterlagen werden zwar meist von einem Satz des Bedauerns begleitet, doch das ist nur ein kleiner Trost. Das eigentliche Ziel, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, hat man schließlich nicht erreicht.

Quer durch die Bank können Personalchefs heute unter vielen guten Bewerbern auswählen. Auch ohne Stellenanzeigen erhalten sie teilweise hunderte Initiativbewerbungen. Wenn attraktive Jobs ausgeschrieben werden, füllen die eingehenden Bewerbungsmappen ganze Wäschekörbe. Selbst bei gutem Willen bleiben den Personalern da für die Auswahl meist nur wenige Minuten pro Mappe – und genau die gilt es zu nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen. Nur wer diese erste und entscheidende Hürde nimmt, hat überhaupt die Chance, in die engere Auswahl zu kommen.

In jedem Fall ist die Konkurrenz groß und Ideen, wie die von Regina Eden, die sich die Aufmerksamkeit der Personaler mit einem Apfel eroberte, fallen nicht vom Himmel. Wie man das macht, scheint sogar das große Geheimnis weniger Erfolgreicher zu sein – und ein gutes Geschäft für eine ganze Branche: Bewerbungsratgeber füllen komplette Regale in den Buchhandlungen. Seminare, Workshops und Coachings finden landauf landab an jedem Wochenende statt. Allein, wer all die Bewerbungstipps nachlesen will, hat einen Fulltime-Job. Wer Arbeit sucht, verzweifelt oft schon an der Fülle der Tipps und Trends. „Und dann hat man noch lange nicht die Gewähr, auf das richtige Pferd zu setzen“, sagt Stefan Komoß. „Denn die einzig richtige und wahre Bewerbung gibt es einfach nicht.“

Komoß ist der Geschäftsführer des Seminarzentrums Göttingen, eines Bildungsanbieters, der gerade den ersten und einzigen bundesweiten Bewerbungs-Wettbewerb initiiert hat. Das dient natürlich der Werbung in eigener Sache, hat aber auch für all diejenigen einen Nutzen, die nicht daran teilgenommen haben: In der Jury saßen größtenteils Verantwortliche aus Personalabteilungen. Was bei ihnen gut ankam, dürfte den aktuellen Trend der hohen Kunst des Bewerbens widerspiegeln. Die Ergebnisse wurden kürzlich in Berlin vorgestellt. „Doch wie unterschiedlich ein und dieselbe Bewerbung beurteilt wird, hat sich auch dabei wieder gezeigt“, sagt Komoß. „Manche Bewerbung hat es geschafft, von den einzelnen Jury-Mitgliedern sowohl die höchste als auch die niedrigste Punktzahl zu bekommen.“

Bleibt Bewerbern also doch nichts anderes übrig als frustriert den Kopf in den Sand zu stecken und auf einen Wink des Himmels zu warten, der verrät, welcher Personalchef welche Bewerbungsform bevorzugt? „So schlimm ist es zum Glück nicht“, tröstet Komoß. „Bei allen Differenzen in der Beurteilung hat es doch eine Vielzahl an übereinstimmenden Bewertungen gegeben. Und wenn unser Wettbewerb auch nicht repräsentativ ist, so zeigt unsere Erfahrung doch, dass die Kriterien, die bei uns gut ankamen auch in vielen Unternehmen als Pluspunkte gewertet werden.“ So manche eingereichte Bewerbung führte auch im echten Leben zum Erfolg.

Wer sich unter den 102 eingesandten Beiträgen behaupten wollte, musste den kritischen Augen der Jury in jedem Fall eine handwerklich einwandfreie Bewerbung anbieten. Die Standards Anschreiben, Foto, Lebenslauf sowie Zeugnisse und / oder Arbeitsproben mussten sauber, gut lesbar und übersichtlich sein. Schreibfehler galten als nahezu unverzeihlicher Sündenfall. Gerade bei den Fotos wurde großer Wert auf ausgezeichnete Qualität gelegt. „Dabei hat sich gezeigt, dass derzeit Schwarz-Weiß-Bilder im Querformat als besonders ansprechend empfunden werden“, sagt Komoß.

Wettbewerbsteilnehmer, die aufs Siegertreppchen wollten, mussten jedoch mehr bieten als die fehlerfreie Ausführung der Standardanforderungen. „Um in die engere Auswahl zu kommen, musste eine Bewerbung darüber hinaus eine pfiffige Idee haben“, sagt Komoß. „Wer sich zum Beispiel als Grafiker bewirbt, sollte schon in der Bewerbung etwas von seinem handwerklichen Geschick zeigen und etwas mehr Mühe in die Gestaltung stecken.“

So wie Regina Eden, die ihren Nachnamen nutzte, um mit den Assoziationen der Personalchefs zu spielen. Als „Bewerbungs-Eva“ aus dem gleichnamigen Paradiesgarten schickte sie einen prallen grünen Apfel, um ihre Bewerbung als Kreativ-Direktorin anzukündigen. Nach dem „verführerischen“ Auftakt folgte eine Bewerbungsmappe mit den klassischen Infos und einer CD-Rom mit Arbeitsproben. Ziel war es, im Kommunikationsbereich eines Unternehmens tätig zu werden. Dort wollte Regina Eden Broschüren, Prospekte und Anzeigen gestalten. Ihr unkonventionelles Vorgehen führte immerhin zu zwei Vorstellungsgesprächen. Nach Abschluss eines Marketing-Studiums will sich die junge Frau jetzt jedoch lieber selbstständig machen.

Ganz so aufwändig wie die von Regina Eden muss eine Bewerbung aber nicht immer sein. Peter Krüger zum Beispiel schickte eine schlichte klassische Bewerbungsmappe in den Wettbewerb. Einziges Extra waren zwei statt eines Fotos. Auf dem einen war er im legeren, hemdsärmeligen Outfit zu sehen. Auf dem anderen mit Anzug und Krawatte. „Sie können mich so oder so erleben“, lautete sein Kommentar zu den Bildern.

Für die Bewerbung als Bauleiter hatte das durchschlagenden Erfolg. Schon vor der Preisverleihung hatte Krüger einen Job. Mit der Bewerbung konnte er seinen Arbeitgeber davon überzeugen, dass er sowohl für den Umgang mit Bauarbeitern als auch für den mit Bauherren geeignet ist.

Peter Krüger hat aber auch gezeigt, dass eine Bewerbung nicht unbedingt ein Feuerwerk sein muss. „Die Form ist zwar wichtig“, sagt Komoß. „Aber die Lesbarkeit darf darunter nicht leiden.“ Im Idealfall ergänzten sich beide, im Zweifelsfall jedoch müsse die Form untergeordnet sein. Das zumindest war die einhellige Meinung der Jury, die klaren, übersichtlichen Bewerbungen den Vorzug gab. Das Gleiche galt für die Klarheit des Textes. „Ein ungekünstelter, authentischer Ton“ war das, was die Juroren am meisten überzeugte.

Krügers Bewerbung ist überdies ein Beispiel dafür, dass eine gute Bewerbung nicht gleich auch eine teure Bewerbung sein muss. „Das Wichtigste ist, dass man sich vorher auf den Empfänger einstellt, genau recherchiert und sich dann zielgenau bewirbt“, sagt Stefan Komoß. „In den meisten Fällen reichen da handelsübliche Mappen.“ Allerdings sollte nicht nur der Bewerbungsauftritt zur Branche passen, sondern die Mappe auch in sich einen einheitlichen Eindruck vermitteln. Ein knall-gelber Umschlag passe nicht zu einer klassisch-gediegenen Bewerbung.

Wer all das beherzigt, hat zwar keine Garantie dafür, aus der Vielzahl der Bewerber genau derjenige zu sein, der jedes Mal auserwählt wird. „Aber man kann seine Chancen deutlich erhöhen“, sagt Komoß. Schließlich habe ein Personalchef die Auswahl unter vielen guten Bewerbungen. Und da werde eben auch das Erscheinungsbild immer wichtiger – zumindest, wenn man im Wettbewerb um ein Vorstellungsgespräch die Nase vorn haben wolle.

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