Zeitung Heute : Wie im Karussell

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VON TAG ZU TAG

Andreas Conrad über

die Zentralisierung auf Berlins Straßen

Vor anderthalb Jahrzehnten tauchte im Spandauer Bezirksamt kurz die Idee auf, den Falkenseer Platz nördlich der Altstadt, sozusagen den Großen Stern von Spandau, vom Kreisverkehr zu befreien und zur untertunnelten Kreuzung umzubauen. Ja, so war das damals: Einfach Planierraupe und Asphaltiermaschine losschicken, schon entwirren sich die Gordischen Verkehrsknoten des Straßensystems wie von selbst. Es blieb dann bei der Idee, sie hatte schon damals keine Chance und in unserer schönen neuen Verkehrsrechnerzeit erst recht nicht. Ein Irrtum, wer meinte, die Bürokratie sei auf dem Rückzug, werde durch andere Lenkungsmechanismen abgelöst. Die Straße lehrt uns anderes: Eine nur mäßig funktionierende private Verkehrsmanagementzentrale gibt es schon, eine gleichfalls unbefriedigende öffentliche Verkehrsleitzentrale ebenso, doch statt dass man deren Arbeit verbessert, kommt nun die 100-Oktan-Variante: die Super-plus-Sonderbehörde „Verkehrslenkung Berlin“. Die ist schon deshalb Spitze, weil sie nichts kostet. Und wem in Berlin das gelingt, dem traut man jedes andere Kunststück zu. Das könnte aber Probleme geben. Geht es auf dem Falkenseer Platz erst zu wie in einem Karussell, ohne Stocken und Stauen immer herum und herum, dann will niemand mehr aus dem Kreisel raus – einfach, weil es so schön ist.

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