Zeitung Heute : Wie kam das Nitrofen in den Weizen?

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Auch knapp eine Woche nach dem offiziellen Bekanntwerden des Bioprodukte-Skandals weiß noch niemand, wie das seit den achtziger Jahren in Westeuropa verbotene Unkrautvernichtungsmittel Nitrofen in den Öko-Weizen gelangt ist. Kontrollbehörden, Ministerien und Staatsanwaltschaften suchen nach dem Verursacher der Verunreinigung vor allem in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Nur eines ist bisher klar: Das Nitrofen, jahrzehntelang zur Unkrautvernichtung auf Feldern versprüht, wurde nicht von einem oder mehreren Bauern in diesem Sinn angewandt. Dafür sind die jetzt gemessenen Konzentrationen im Futtermittel viel zu hoch. Wäre das Nitrofen während der Wachstumsphase auf einem Feld in diesen Mengen versprüht worden, sagen Wissenschaftler, wäre der Weizen zerstört worden.

„Alles ist möglich“

Immer mehr verdichtet sich deshalb die Vermutung, dass das Gift Nitrofen auf geerntetem Weizen versprüht wurde. Vielleicht zur Schädlingsbekämpfung, vermutete ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums. „Alles ist möglich.“ Dass der Brandenburger Öko-Bauernhof in Stegelitz Lieferant des verunreinigten Weizens ist, schließen die Behörden mittlerweile aus. Mehrfach kontrollierten sie in den vergangenen Tagen den Hof. Nun verdichten sich die Spekulationen um die niedersächsische Futtermittel-Genossenschaft GS Agri. Das Unternehmen bestritt allerdings, Bio-Betriebe trotz nachgewiesener Nitrofen-Belastung weiter beliefert zu haben. Wir haben „zu keinem Zeitpunkt mit Nitrofen belastetes Tierfutter wissentlich an Abnehmer geliefert“, sagte der Geschäftsführer der GS Agri aus Schneiderkrug, Paul Römann. Der Hannoversche Landwirtschaftsminister Uwe Bartels (SPD) hatte erklärt, die Firma habe trotz bekannter Verseuchung weiter Getreide an Bio-Betriebe abgegeben.

Eine weitere Spur führt nach Neubrandenburg. Von der Norddeutschen Saat- und Pflanzgut AG wurden im Winter rund 300 Tonnen Weizen nach Niedersachsen verkauft. Während die Behörden in Mecklenburg im Unternehmen noch prüfen, sagte dessen Marketing-Chef Marcus Grimm: „Wir haben zu keinem Zeitpunkt mit Nitrofen-haltigem Getreide gehandelt." asi

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