Zeitung Heute : Wie kommt Gott nach Berlin?

Um den Geist des Kirchentages in die Heidenstadt zu tragen, fahren die Christen auch Dampfer und Truck. Und Bischof „Bibo“ unterhält hunderte Jugendliche im Tempodrom. Eindrücke einer schwierigen Mission.

Harald Martenstein

Boris Bauer aus Mannheim sagt: „Man ist schon irgendwie etwas Besonderes als Christ.“ Er studiert an der Katholischen Journalistenschule in München, und jetzt moderiert er am Brandenburger Tor in Potsdam. „Unser Motto heute: Gerechtigkeit, Frieden und Toleranz.“ Es ist sehr heiß. Schüler verteilen Zettel mit Bibelsprüchen, in Spiegelschrift. Man muss sie gegen den Himmel halten, um sie lesen zu können. Und sie verteilen die Kirchentagszeitung mit dem Bericht über den Auftritt des Kanzlers. „Der Kanzler ist immer noch ein Popstar. Schon sein Einzug war umjubelt.“ 20 bis 30 Potsdamer sammeln sich vor der Bühne, hören „Sunrise“ aus Chemnitz, wie sie singen: „Das tut gut, das macht Mut“, und schauen sich ein Schülertheater zum Thema Klonen an. Dabei spielt auch eine gewisse Rolle, dass die Bühne einen kräftigen Schatten wirft. Im Schatten ist es ja bei Hitze deutlich angenehmer als in der Sonne. „Ja“, sagt Boris Bauer, „so haben wir uns das vorgestellt. Jetzt läuft es endlich.“

Wie kriegt man die Kirche voll? Wie kommt man an die Leute heran? Der Pfarrer Hans Büsser hat eine sichere Methode gefunden. Er bietet Gottesdienste im Ausflugsboot „Moby Dick“ an, das wie ein Walfisch aussieht. 250 Leute! Immer volles Haus! Gott ist ein Hit! Nur, weil es ein Schiff ist? „Na ja“, sagt Pfarrer Büsser, „Gottesdienstbesucher bekommen die Rundfahrt zum halben Preis.“ Es ist ihm ein bisschen peinlich. Aber man darf ja nicht lügen.

Pfarrer Büsser gehört ebenfalls zum Programm von „Kirche auf Achse“. Er steht am Treptower Hafen auf der Bühne und erzählt den Leuten von Moby Dick. „Auf Achse“ besteht aus einem roten Truck, der während des Kirchentages kreuz und quer durch Berlin fährt, vor allem durch den Ostteil, und nach Potsdam. „Auf Achse“ ist eine Begleitaktion wie das Fußballturnier „Popen Open“ oder wie das Kabarett „Weißblaues Beffchen“, es soll etwas vom Geiste des Kirchentages in die Heidenstadt Berlin tragen, und zwar mithilfe von Musik, Tanz und Interviews. „Wir wollen niemanden missionieren“, sagt die Leiterin Barbara Tieves, die sich sonst im Auftrag der katholischen Kirche um Alleinerziehende kümmert. „Das ginge sowieso nicht. Wir wollen einfach nur Flagge zeigen. Die Leute sollen sehen, dass wir da sind. Dass es uns gibt.“ Sie haben sogar einen aufblasbaren Heiligenschein, der an einer Leine über dem Wagen im Wind schaukelt. Er ist pink.

Die Kirche ist ziemlich bescheiden geworden.

Zwei Tage vor dem Termin hat das Tiefbauamt den Christen die Genehmigung für den Standort direkt am Hafen entzogen, ohne Begründung. Stattdessen müssen sie ihren Truck in der Bulgarischen Straße aufbauen, wo fast niemand hinkommt. Die Band „For Heavens Sake“ aus Beverstedt spielt ihr Lied „Salz der Erde“ im Grunde nur für sich selber, und die Schüler der Edith-Stein-Schule zeigen ihre kleinen Tanz- und Theaternummern auch für sich selber. Die Lehrer schicken einige Schülerinnen in das nahe gelegene Ausflugslokal „Zenner“, wo zahlreiche Männer schon seit vielen Stunden ein groß angelegtes Menschenexperiment veranstalten, nämlich, wie viel Bier in einen Berliner Mann hineinpasst und wann er umfällt und wie sich das im Detail anfühlt. Kurz vor der Kneipe ankert ein Schiff, auf dem eine aufblasbare Sexpuppe von Beate Uhse sitzt. Die Männer begrüßen die Schülerinnen mit großem Hallo.

„Sie wollen mit unseren Mädchen irgendwo hinfahren“, sagt ein Lehrer. „Sie nötigen sie zum Biertrinken. Sie interessieren sich kein bisschen für unsere Inhalte.“ Und dann sagt er noch: „Das ist der Osten. Die wollen uns hier nicht.“

Der Kirchentag ist ein großes Fest, aber Feste geben vom Leben immer einen unrealistischen Eindruck. Wie geht es den Kirchen? Wenn man sich die Zahlen anschaut: nicht besonders. Die Erosion geht weiter. Sie hat sich lediglich ein bisschen verlangsamt. Aus der katholischen Kirche treten pro Jahr etwa 100000 Menschen aus, in ihren schlechtesten Zeiten waren es aber 200000. Der Anteil der Katholiken an der Bevölkerung ist seit 1965 von 44 auf 32 Prozent gesunken, nicht nur wegen der Wiedervereinigung. In den Gottesdienst gehen davon halbwegs regelmäßig 15 Prozent. Bei den Protestanten sehen die Zahlen ähnlich aus. Wenn man sich in die Statistik vertieft, fällt immerhin auf, dass die Zahl der Wiedereintritte seit Jahren steigt, bei den Katholiken auf fast 10000 pro Jahr. Das macht den Kohl aber nicht fett.

Bis zur Raserei

Es gibt christliche Gruppen, die zurzeit auf einer riesigen Erfolgswelle surfen – die „Pfingstkirchen“ der Dritten Welt. In Brasilien und in Afrika drücken sie die klassischen Kirchen und die islamische Konkurrenz allmählich an den Rand. Sie scharen sich um selbst ernannte, oft ziemlich dubiose Propheten und kümmern sich nicht um die offizielle Lehre. Ihr Rezept heißt Ekstase. Die Leute schreien „Jesus! Jesus!“ bis zur Raserei.

Deutsche Christen haben oft lange Haare. Auch Fedor Pfistner trägt eine Mähne. Er ist Schiffspfarrer, zuständig für Berlin und Brandenburg. Von April bis November, wenn das Treibeis kommt, fährt er mutterseelenallein mit seiner Sieben-Meter-Jacht durch die brandenburgischen Gewässer und verbreitet das Wort Gottes, auch über Funk. Er hat einen kleinen Bordaltar und eine Bordbibliothek. An Nikolaus trägt er ein Nikolauskostüm. Die Kirche hat die Stelle gestrichen, aber er arbeitet für Wartestandsbezüge einfach weiter. Pfarrer in den Wartestand zu versetzen, ist bei der Kirche beliebt, weil man so den Tarifvertrag umgehen kann. „Nebenbei“, sagt Pfarrer Pfistner, „arbeite ich übrigens als Schlagersänger. Unter dem Namen Marino. Ich singe: Hab ich dir heute schon gesagt, dass ich dich liebe, und solche Sachen.“

Pfarrer Pfistner war ursprünglich kein Christ. Aber mit 20 ist ihm Gott erschienen, in einer katholischen Kirche in Görlitz. Er ist aber trotzdem evangelisch geworden, warum, wird nicht ganz klar. Vielleicht wegen des Zölibats. Jetzt steigt er in sein Schiff und fährt davon.

Sind die Kirchen womöglich zu vernünftig geworden? Zu wenig emotional, zu aufgeklärt, zu modern? Manche Leute behaupten das. Manche Leute sagen, dass die Kirchen eine radikale spirituelle Opposition zum Bestehenden darstellen müssten, um wieder attraktiv zu sein. Der italienische Regisseur Pier Paolo Pasolini war ein großer Anwalt dieser Idee. Pasolini sagte: Wer soll die Tradition verteidigen, gegen die übermächtige moderne Welt, wenn nicht die Kirche? Wenn die Kirche nicht mehr konservativ ist, hat sie keine Funktion mehr.

Inzwischen steht der Truck vor dem „Fez“, dem Freizeitzentrum in der Wuhlheide, und es gibt schon wieder Probleme. Irgendwas mit der Anmeldung hat angeblich nicht geklappt, und erst nach einer Stunde intensiver Verhandlung mit den „Fez“-Leuten darf die Bühne aufgebaut werden, wieder in einer abgelegenen Ecke, fast ohne Publikum.

Barbara Tieves sagt: „Wir sind mitten auf ihrem Gebiet. Das Fez ist ja eine Errungenschaft der DDR. Und nun soll man hier die Kirche reinlassen, das ist natürlich hart für die.“

Der Lehrer sagt: „Der Bratwurstverkäufer weigert sich, unseren Schülerinnen etwas zu verkaufen. Er verkauft keine Würste an Christen, oder höchstens an evangelische. Die im Osten wollen uns einfach nicht.“

Der Bratwurstverkäufer sagt: „Wenn es wenigstens gute Musik wäre und nicht so ein Katzengejaule.“ Einer der Musiker ist kürzlich Vater geworden, und jetzt spielen sie, sehr laut, „Kleine Seele, wunderbar“. Ganz unrecht hat der Bratwurstverkäufer nicht.

Ein paar Fahrradfahrer halten an. Sie rufen: „Gibt’s hier was umsonst? Scheiß auf den Papst, ey!“ Der Lehrer sagt: „An einer christlichen Schule lernt man, nett miteinander umzugehen und keinen Wert auf Markenklamotten zu legen. Viel mehr können wir, ehrlich gesagt, nicht erreichen. Die Schule liegt ja im Ostteil.“

Sie haben als Promi Christine Bergmann eingeladen, die ehemalige Familienministerin. Der Moderator von der Katholischen Journalistenschule fragt: „Frau Bergmann, Sie kommen aus der DDR. Wieso hat trotzdem die Kirche für sie so eine Bedeutung?“ Bergmann, leicht irritiert: „Die Kirche ist gerade in der DDR ziemlich wichtig gewesen.“ Im Abgang erzählt sie noch: Egal, was sie gerade tue und wo sie sei, sie sage sich immer, dass Gott sie an diesen Platz gestellt habe und dass es deshalb einen Sinn haben muss. „Das hilft immer.“

Die grellorange Plakette auf dem Revers hat er abgemacht, vielleicht um die protestantische Kollegin nicht einzuschüchtern. Die Plakette ist genauso rund und genauso orange wie der Kirchentagsheiligenschein. „Ich komm’ zum Glück aus Osnabrück“ steht darauf. Franz-Josef Bode aus Osnabrück ist der beliebteste Bischof Deutschlands (große Umfrage!) aus der glücklichsten Stadt Deutschlands (große Umfrage!). Man braucht also nur vier Kirchentagstage lang den Bischof zu begleiten, um herauszukriegen, wie man erfolgreich ist im Glauben und dafür auch noch geliebt wird. Dabei hat es Bischof Bode, kurz Bibo genannt, nicht unbedingt leicht. Denn er ist bei der Katholischen Bischofskonferenz verantwortlich für die Jugend. Also nicht nur für die glückliche Jugend von Osnabrück, sondern auch für die etwas unglücklichere von ganz Deutschland. Und die Kirche liegt im Ansehen der Jugend noch hinter „Tanzkursen“, „Politikern“ und „CDU-Wählen“. Ja, sie liegt sogar noch hinter den Gewerkschaften auf dem allerletzten Platz (große Umfrage!). Aber den Bischof scheint das nicht zu beunruhigen.

Zuerst muss Franz-Josef Bode mit der evangelischen Pfarrerin Ruth Misselwitz im Haus am Köllnischen Park darüber diskutieren, ob es noch stimmt, dass Protestanten jeden Morgen zuerst in der Bibel lesen, und ob Katholiken wirklich ständig zum Abendmahl laufen und ob das so richtig ist. Ruth Misselwitz ist nicht aus Osnabrück, nur aus Pankow und der DDR-Friedensbewegung und wurde auch noch nie zur beliebtesten Pfarrerin gewählt. Sie sagt, dass das reformatorische morgendliche Bibellesen, um es freundlich auszudrücken, schon ungemein abgenommen hat. Im Gegensatz zu den Eucharistiefeiern der Katholiken. Weil ein Sonntag ohne Abendmahl für mich ohne Mitte wäre, erklärt Bode sanft werbend. Weil er seit seiner Kindheit nur drei Sonntage ohne Abendmahl erlebt hat. Er hat sie nicht gemocht. Ruth Misselwitz, der evangelische Teil des Publikums sowie die zwei Atheisten ganz rechts schauen zu dem Bischof wie über einen Kulturgraben hinweg, doch irgendwie bewundernd. Sind diese Katholiken nicht Gottesverschwender, Gottesverzehrer? In Misselwitz’ Pastorenfamilie gab es das Abendmahl nur zweimal im Jahr.

Deutschlands beliebtester Bischof ist vor allem rund. Sein Gesicht, seine Ausstrahlung, der ganze Prälat. Selbst wenn er nur dasitzt und schweigt. Wenige Menschen können so zentriert sitzen wie Franz-Josef Bode aus Osnabrück, als gäbe es das Kirche-noch-hinter-denGewerkschaften-Desaster gar nicht. Er benimmt sich ganz anders als die nordelbische Kirche zum Beispiel. Die nordelbische Kirche ist protestantisch und sitzt genau neben Bode, als es in der Messehalle 5.2 am Funkturm um die Gretchenfrage der Medien geht „Wie hältst du’s mit der Religion…?“ Weil sich die Medien zur Kirche doch wie Faust verhalten: hauptsächlich ausweichend. Bode war auch mal Medienreferent der katholischen Kirche. Was er denn denke über das gemeinsame Vorurteil von Jugend und Medien über die Kirche – „Kirche ist uncool“ –, fragt die Moderatorin der gleichnamigen Veranstaltung. Die nordelbische Kirche blickt Bode erwartungsvoll an, denn sie ist sehr kämpferisch gesonnen. Ihre Sätze beginnen fast immer mit „Wir in der nordelbischen Kirche…“ Aber Bode hebt nicht mal die Stimme. Er sagt auch nie: „Wir aus der Diözese Osnabrück…“, der Bischof sagt nur, dass das „uncool“ schon irgendwie richtig sei, denn Coolness sei schließlich eine Distanzbestimmung, und Kirche bedeute eben die Aufhebung der Distanz, also der Coolness.

Die nordelbische Kirche hat jetzt leichte Panik im Blick. Bode fällt zurück ins zentrierte Schweigen. Der Bischof von Osnabrück käme sicher nie auf den Gedanken, den Glauben zur „festen Burg“ zu erklären. Für ihn ist er eher eine gelassene Rundheit. Der Heiligenschein ist nicht zufällig rund, Rundheit ist Vollkommenheit. Ruhen in sich. In Gott, würde Bode berichtigen. Kirchentage sind natürlich auch rund, jeder Punkt gleich nah zur Mitte. Darum hat Franz-Josef Bode auch keine Angst vor Berlin. Weil ein Kirchentag selbst eine so eckige, ungläubige Stadt wie Berlin rund macht. Oder eben diese Berliner Messehallen, in denen Bode dem nächsten seiner 22 Kirchentagstermine entgegeneilt.

Allerdings kann ein Bischof gar nicht eilen, ein Bischof ist jemand, der aufgehalten wird – das gehört zu seinem Berufsbild. Es ist erstaunlich, wie viele Menschen der beliebteste Bischof Deutschlands kennt. Die Plakette „Ich komm’ zum Glück aus Osnabrück“ leuchtet in Heiligenscheinorange an seinem Revers. Und mit jedem spricht Bode, als stünde er direkt in der Zeitlosigkeit Gottes, als müsste er selbst nicht dringend zur „Heilpädagogischen Hilfe Bersenbrück e.V“. Er hat es versprochen. Der Bischof irrt am Stand der „Geschiedenen Frauen von Pfarrern ermutigen zum Neuanfang“ vorbei, streift kurz die verschiedenen Vertretungen der „Lesbenökumene“, um irgendwann doch die „Heilpädagogische Hilfe“ zu erreichen. Die „Heilpädagogische Hilfe Bersenbrück“ ist etwas ganz Besonderes – ein gemeinsames diakonisches Werk beider Konfessionen, und natürlich liegt es im Bistum Osnabrück. Aber zur „Evangelisch-katholischen Männerarbeit“ kommt der Bischof doch zu spät, nur die protestantischen Männerarbeiter sind noch da.

Der Prälatenjoker

Zu den Nachteilen der Bischöfe auf Kirchentagen gehört, dass sie nicht einfach gehen können, wohin sie wollen. Nicht zum Dalai-Lama, nicht zu den Neu-Bibel-Exegeten wie zum Beispiel Angela Merkel. Immer müssen sie woanders sein. Als der Techno-Gottesdienst in der Lukaskirche beginnt, ist Bode gerade beim Katholischen Kirchenzeitungstreffen. Er sieht nicht, wie die Jugend eine Kirche stürmt – dabei gibt es das nicht mal in Osnabrück. Die Bässe dröhnen, die Gemeinde wogt. Zwischendurch denken alle darüber nach, was dazugehört, um wie Jesus übers Wasser zu gehen. Der leuchtet von der Wand abwechselnd rot und grün. „Gott will, dass wir Spaß haben“, ruft der Moderator in die Menge. Ob Bode das noch für eine Ekstase in Gott halten würde? – Ein Gottesdienst, hatte er gesagt, darf das Chaos darstellen, aber er muss es übertreten. Ist Kirchen-Techno nun die Darstellung des Chaos oder schon seine Übertretung?

Wahrscheinlich würde Jugendbischof Bode das offen lassen. Er ist ein talentierter Offenlasser. Darum passt er so gut zur Ökumene und die Ökumene zu ihm. Bei den Protestanten habe er gelernt, dass es wirklich „ein Leben aus dem Wort“ gibt, hatte er zu Pfarrerin Misselwitz aus Pankow gesagt. Und trotzdem ist die versöhnende Rundheit des beliebtesten Bischofs Deutschlands auch Tarnung. Wenn Bode über die Eucharistie spricht oder vor 400 Menschen Jakobs Kampf mit Gott auslegt, stellt sich jedesmal eine dunkle Spannung her. Dieser Mann spricht aus einem seltsam-fremden Eros heraus. Nebenan in den anderen Messehallen interpretieren seine Ko-Exegeten Heydebreck von der Deutschen Bank oder Ex-Ministerpräsident Reinhard Höppner genau dieselbe Bibelstelle aus. Der Deutsche-Bank-Jakob und der Ex-Ministerpräsidenten-Jakob entstehen neben dem Bischofs-Jakob. Nachher sagt eine Protestantin, die eigentlich gar nicht zu einem katholischen Bischof wollte, dass sie diesen Jakob noch nicht gekannt habe.

Das muss das Geheimnis des Bischof Bode sein: Er tritt nicht aus dem Kreis, auch wenn er es tut, nicht mal, wenn aus dem Bischof Bode einfach Bibo wird – wenn der Schüler des Kardinals Ratzinger sowie Eugen Drewermanns ein Kirchentagssportfest eröffnet oder sich im Tempodrom in einen weißen Anzug stecken lässt, in dem er wie ein Mittelding aus Klempner, Papst und Raumfahrer aussieht: Bischof Bode von der Katholischen Bischofskonferenz – ein „Prälatenjoker“ bei der Kirchentags-Quizshow „Wer wird ÖQ-Millionär?“ Und der Joker versagt nie. Er weiß als Einziger im ganzen Tempodrom, vor wie vielen Jahren es den letzten nichtitalienischen Papst gab. 455, sagt Bode, und es war ein Deutscher.

Vielleicht ist Bode für die Kirche wirklich ein Prälatenjoker. Den eigenen Kreis übertreten, ohne ihn zu verlassen. Bode steht vor einem Trailer im Vorraum des Tempodroms, „Köln lädt ein zum katholischen Weltjugendtreffen 2005“. Alle um ihn herum sehen aus, aus wollten sie auch kommen. Das muss ich organisieren, sagt der Bischof und klingt zum ersten Mal leicht panisch. 2005, ist das nicht morgen? Und da kommen nicht nur 200000 wie nach Berlin, da kommt eine Million. Und der Papst. Kerstin Decker

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