Zeitung Heute : „Wie lange muss ich auf einen Studienplatz warten?“

Tagesspiegel-Telefonaktion: Experten beantworten die Fragen von Schulabsolventen zu Studium und Ausbildung

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Was tun nach der Schule? Eine Ausbildung machen oder studieren? Ins Ausland gehen oder lieber gleich an die Uni? Mit diesen und anderen Fragen rund um den Berufsstart wandten sich zahlreiche junge Leser und Eltern im Rahmen einer Telefonaktion an den Tagesspiegel. Die häufigsten Fragen und die Antworten unserer Expertinnen Benita Bischoff (Studienberatung der Humboldt Universität), Katrin Fleck (Berliner Volksbank), Marion SenfDenker (Studienberatung der Fachhochschule für Wirtschaft) und Anke Tillmann (Einstieg GmbH) gibt es hier.

Ich muss auf meinen Studienplatz warten und möchte die Zeit nutzen, um ein Praktikum im Ausland zu machen. An wen kann ich mich wenden?

Grundsätzlich ist es eine prima Idee, die Wartezeit auf einen Studienplatz mit einem Job oder Praktikum im Ausland zu überbrücken. Praktikumsbörsen gibt es zum Beispiel im Internet unter www.praktika.de und www.prabo.de. Beide Seiten vermitteln Praktika im In- und Ausland. Wer sich für Sprachkurse im Ausland interessiert, kann sich zum Beispiel an die Carl-Duisberg-Centren wenden (www.cdc.de). Eine weitere Alternative: Den Zivildienst oder ein freiwilliges soziales Jahr außerhalb Deutschlands abzuleisten. Im Bereich der Entwicklungshilfe gibt es hier zum Beispiel das Projekt One World Working (www.owowo.de). Viele Organisationen lassen sich ihre Vermittlungstätigkeit allerdings bezahlen. Wer selbst aktiv wird, hat zwar mehr Aufwand, spart aber Geld.

Ich möchte im Ausland studieren. Wer hilft mir bei der Studienplatzsuche und was muss ich beachten?

Fast alle Universitäten und Fachhochschulen haben eigene Austauschprogramme oder Partneruniversitäten im Ausland. Außerdem hilft der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) bei der Suche nach Studienplätzen und studienbegleitenden Praktika (www.daad.de). Auch über private Anbieter, etwa das Internet-Portal College Contact (www.college-contact.com), kann man Studienplätze im Ausland finden. Wer dort auch einen Abschluss machen will, sollte darauf achten, dass dieser international anerkannt ist, wie etwa der Bachelor oder der Master. Und wer eine weniger bekannte ausländische Universität im Auge hat, sollte sich vorab ruhig in den Personalabteilungen potenzieller Arbeitgeber erkundigen, wie viel Wert dort bei der Einstellung auf das Renommee einer Hochschule gelegt wird.

Ich habe in Berlin bisher keinen Studienplatz bekommen. Kann ich irgendwie abschätzen, wie lange ich jetzt noch warten muss?

Das ist leider zur Zeit kaum möglich, denn das Berliner Hochschulzulassungsgesetzes wurde in diesem Punkt geändert. Bisher kam es bei der Studienplatzvergabe auf die Abiturnote und die Anzahl der verstrichenen Wartesemester an. In Zukunft kommen weitere Kriterien hinzu: Bis zu 60 Prozent der Studienplätze können die einzelnen Fächer jeder Hochschule jetzt nach eigenen Kriterien vergeben. Welche das sein werden, steht bisher noch nicht fest; der Umsetzungsprozess ist in vollem Gange. Spätestens zum Wintersemester 2006/2007 gibt es mehr Klarheit. Wem das zu lange dauert, dem kann man nur raten: Mobil sein, andere Studienorte in Betracht ziehen.

Eine Ausbildung ist mir zu verschult, ein Studium zu theoretisch. Gibt es eine Möglichkeit, Theorie und Praxis zu verbinden?

Unter Umständen könnte ein duales Studium die richtige Mischung bieten. In Berlin geht das an der Berufsakademie (BA), die in die Fachhochschule für Wirtschaft (FHW) integriert ist (www.ba-berlin.de). Im Lauf des Studiums, das insgesamt drei Jahre dauert und mit dem Bachelor abschließt, wechseln sich Praxisphasen in Ausbildungsbetrieben mit Studienphasen an der Akademie ab. Rund 480 Betriebe kooperieren mit der Berufsakademie. Duale Studiengänge gibt es in elf wirtschaftswissenschaftlichen und drei technischen Fachrichtungen. Der Vorteil: Man verbindet Theorie und Praxis, verdient bereits während des Studiums Geld und wird unter Umständen sogar vom Ausbildungsbetrieb übernommen. Man sollte aber auch bedenken: Die Ausbildung folgt einem relativ festen System, Kurse und Dozenten/innen kann man nicht frei wählen. Wer sich hier mehr Freiheiten wünscht, könnte an einer Fachhochschule ohne duale Ausbildung oder Universität besser aufgehoben sein.

Ich bin in der zwölften Klasse vom Gymnasium abgegangen. Habe ich jetzt automatisch mein Fachabitur in der Tasche?

Nein. Zunächst ist wichtig, dass man – obwohl man die Schule verlässt – überhaupt in die 13. Klasse versetzt wurde. Dann folgt ein mindestens halbjähriges Praktikum, das auch im Ausland absolviert werden kann. Und was viele nicht wissen: Anschließend muss das Praktikumszeugnis bei der Zeugnisanerkennungstelle der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport eingereicht werden. Bewirbt man sich um einen Studienplatz in einem anderen Bundesland, muss das Zeugnis dort wieder anerkannt werden. Erst dann ist der Weg an die Fachhochschule frei.

Ich bin Realschüler und möchte nach meinem Schulabschluss gerne eine Banklehre machen. Wie sollte ich vorgehen?

Am besten frühzeitig planen und rund ein Jahr im Voraus Bewerbungen verschicken. Von dem Gerücht, dass Banken ohnehin nur noch Abiturienten als Auszubildende einstellen, sollten Sie sich nicht abschrecken lassen. Die Berliner Volksbank jedenfalls nimmt gerne Realschüler an und freut sich über jede gute Bewerbung.

Sollte man vor einer Initiativbewerbung um einen Ausbildungsplatz in der Personalabteilung anrufen?

Das ist keine schlechte Idee. So entsteht bereits ein erster persönlicher Kontakt und man weiß sofort, ob die betreffende Firma tatsächlich Auszubildende einstellt. Ist das nicht der Fall, spart man sich Mühe und Kosten – oder kann höflich nachfragen, ob man trotzdem eine Bewerbung schicken darf, die dann unter Umständen zu einem späteren Zeitpunkt berücksichtigt wird.

Mehr Informationen rund um Studien- und Berufswahl gibt es auf den Internetseiten der Einstieg GmbH unter www.einstieg.com. Die Studienberatung der Humboldt-Uni erreicht man unter www.hu-berlin.de, die der Fachhochschule für Wirtschaft (FHW) unter www.fhw-berlin.de. Über eine Ausbildung bei der Berliner Volksbank kann man sich unter www.berliner-volksbank.de informieren.

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