Zeitung Heute : Wie man schlau durch die Ferien kommt

Wenn man nicht aufpasst, macht Urlaub dumm und krank – haben Forscher herausgefunden. So entspannen Sie richtig

Alexander Visser

Viele Deutsche hoffen, dass mit der Urlaubszeit jetzt die schönsten Wochen des Jahres beginnen. Doch das kann leicht schief gehen, in der Ferienzeit lauern viele Fallen. So weisen immer mehr wissenschaftliche Studien darauf hin, dass bestimmte Formen des Urlaubs Menschen dümmer werden lassen. „Wer im Urlaub nur faulenzt, verschlechtert seinen Intelligenzquotienten“, sagt Siegfried Lehrl, Medizinpsychologe an der Universität Erlangen.

Verschiedene Studien legen dieses Ergebnis nahe, berichtet der Forscher. So wurden etwa Krankenhauspatienten getestet, die nur zur Beobachtung im Hospital waren und nichts zu tun hatten. Der durchschnittliche Intelligenz-Quotient liegt bei 100 Punkten. Der IQ der Testpersonen sank schon nach fünf Tagen um durchschnittlich fünf Punkte. Nach drei Wochen Nichtstun hatten sie 20 Punkte eingebüßt. „Es gibt noch ähnliche Studien, die darauf schließen lassen, dass ein reiner Faulenzerurlaub zum Abbau der intellektuellen Leistungsfähigkeit führt“, sagt Lehrl.

Gerade das beliebte Braten in der Sonne kann diesen Effekt noch verschlimmern, denn das Schwitzen führt zu Wasserverlust. „Auch Flüssigkeitsmangel führt zur Eintrübung des Intellekts“, warnt Lehrl. „Studien haben ergeben, dass durstige Studenten weniger aufnahmefähig sind als Kommilitonen, die vor der Vorlesung ausreichend getrunken haben.“ Nichts tun, in der Sonne liegen und zu wenig trinken führt also zu sinkender Intelligenz. Wenn die gut durchgebratenen Urlauber dann noch statt zur Wasserflasche nach dem Sangria-Eimer greifen, kommt es zum Ballermann-Effekt: Ein IQ-Wert lässt sich in diesem Stadium nicht mehr ermitteln.

Urlaub kann nicht nur zur Verblödung führen, sondern bringt auch ein beträchtliches Gesundheitsrisiko mit sich. Joachim Kugler hat die Ursachen von Krankenhausaufenthalten von Urlaubern im Ausland untersucht. Der Gesundheitswissenschaftler der Technischen Universität Dresden warnt vor allem vor stundenlangen Anfahrten. „Die Stressbelastung durch Straßenverkehr und Staus ist enorm“, sagt Kugler. Daher seien unter den Urlaubspatienten besonders viele Menschen mit langer Anfahrt.

Zudem erkranke im Urlaub häufig, wer schon zu Hause unter Symptomen wie etwa Bluthochdruck leide. Gerade solche Urlauber sollten sich Kugler zufolge keine zu anstrengende Anreise zumuten. Sonst droht kurz nach der Ankunft die Einweisung: „Am häufigsten kommen Urlauber schon am dritten oder vierten Ferientag ins Krankenhaus“, sagt Kugler. Verschärft werde die Situation dadurch, dass die Ärzte vor Ort ohne die Krankenakten der Patienten auskommen müssten, was die Behandlung erschwere.

Kugler rät, den Urlaub schon mit der Anfahrt beginnen zu lassen. „Statt mit dem Auto durchzubrettern, sollten sich Urlauber lieber die Zeit nehmen, interessante Ziele am Wegesrand anzuschauen.“ Wichtig sei es, im Urlaub die Alltagsroutine zu durchbrechen. Wer etwa zum Beispiel als Börsenmakler bei der Arbeit ständigem Stress ausgesetzt sei, finde eher in einem abgeschiedenen Kloster einen Ausgleich als beim Erklimmen der Eiger-Nordwand. „Wer dagegen einer monotonen Arbeit nachgeht, sollte versuchen, im Urlaub etwas neues zu erlernen“, empfiehlt Kugler. „Es muss ja nicht gleich der berühmte Töpferkurs in der Toskana sein, eine neue Sportart tut es auch.“

Neues zu erlernen ist auch ein guter Schutz gegen Urlaubsdemenz. „Zwei, drei Tage Nichtstun ist in Ordnung, aber dann sollte man sein Gehirn wieder beschäftigen“, rät Medizinpsychologe Lehrl. Im Ausland könne man etwa versuchen, die Sprache der Einheimischen zu sprechen. Auch Ausflüge in die Umgebung seien sinnvoll, sagt Lehrl. „Eine selbst geplante Fahrradtour bringt viel mehr als sich im Bus durch die Gegend karren zu lassen.“

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