Zeitung Heute : Wie reagiere ich auf blöde Floskeln?

Elisabeth Binder

Immer wieder sonntags fragen Sie

Kürzlich bekam ich eine Einladung zum Geburtstag mit einem Antwortformular. Ich sollte ankreuzen, ob ich „ganz scharf auf die Party“ bin und „supergerne komme“, oder aber sagen: „Phhhh! Habe was viel Besseres vor“. Beides traf nicht zu. Ist es nicht unhöflich, irgendwelche blöden Antworten zu implizieren?

Der Drang der Menschen, originell zu sein und sich von anderen abzuheben, kennt keine Grenzen. Viele sehen sich geradezu unter dem Zwang, möglichst witzig zu erscheinen. Dass man damit andere auch vor den Kopf stößt, kommt den meisten nicht in den Sinn. Vorgefertigte Antworten sind nicht nur bei Pre-Teens immer beliebter (Liebst Du mich? Bitte ankreuzen: „Ja“, „Nein“, „Weiß noch nicht“). Solche Motive werden auch durch die Werbung immer weiter verbreitet. Davon müssen Sie sich aber nicht infizieren lassen. Glücklicherweise sind Sie des Lesens und Schreibens mächtig und nicht darauf angewiesen, per Kreuzchen zu kommunizieren. Es ist immer richtig, die Vorgaben durchzustreichen und hinzuschreiben, was man ehrlicherweise empfindet. „Ich freue mich, wenn wir uns mal wieder sehen“ klingt distanziert, aber natürlich auch persönlicher. Vielleicht freut sich der Einladende über so eine individuelle Reaktion sogar. Auch die Absage kann man variieren. „Ich würde gern kommen, habe aber schon vor längerem eine Wochenendreise fest gebucht.“ So lassen Sie sich nicht in die Rolle des verwöhnten Snobs hineindrängen. Die zweite Antwortvorgabe kommt mir tatsächlich sehr unhöflich vor, obwohl die Ursache dafür eher in Unsicherheit zu suchen ist. Wenn Sie selbst mal wieder einladen, schreiben Sie am besten, dass Sie sich über eine rasche, sehr gern kurze Nachricht freuen würden. Aber denken Sie sich keine Floskeln aus. Originell finde ich das, was Sie da zitiert haben, nämlich überhaupt nicht.

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