Zeitung Heute : Wie Rohstoffe besser genutzt werden können

Am Exzellenzcluster UniCat der Technischen Universität sind Wissenschaftler der Freien Universität beteiligt.

Riesige
Riesige

Wie wertvoll fossile Brennstoffe sind, spüren Autofahrer derzeit regelmäßig an der Tankstelle. Langfristig steigen die Preise weiter – da sind sich Ökonomen, Geologen und Politologen einig –, denn die Ressourcen sind begrenzt.

Dennoch werden bei Erdölbohrungen pro Jahr noch immer rund 100 Milliarden Kubikmeter Erdgas einfach abgefackelt, weil der Transport zu teuer wäre – bei einem Weltmarktpreis von bis zu 250 Euro je Tonne eine gewaltige Verschwendung.

Wissenschaftler des Exzellenzclusters UniCat der Technischen Universität, an dem die Freie Universität beteiligt ist, erforschen Wege, um Energie und Rohstoffe effizient zu nutzen. Sie möchten das Erdgas, das zu 98 Prozent aus Methan besteht, noch an der Erdölquelle in wertvollere Stoffe umwandeln, die sich besser lagern und transportieren lassen.

„Zum Verbrennen ist Erdgas viel zu schade“, sagt Professor Reinhard Schomäcker von der Technischen Universität Berlin, der das Projekt gemeinsam mit Professor Robert Schlögl vom Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft leitet. Die Idee ist denkbar einfach: Mithilfe eines Katalysators sollen zwei Methan-Moleküle in ein Ethylen-Molekül umgewandelt werden. Bislang dient Rohöl als Grundlage für den Stoff, aus dem Folien, Plastikflaschen und Kleidung hergestellt werden.

Nun kann die Grundlagenforschung in die zweite Phase einsteigen, um noch schneller zur Energiewende und zum Rohstoffwandel beitragen zu können – ein Grund dafür, dass die seit 2007 laufende Exzellenz-Förderung für UniCat jetzt verlängert wurde. „Der Ansatz ist so vielversprechend, dass wir mittlerweile BASF als Kooperationspartner gewinnen konnten“, sagt Professor Matthias Drieß von der Technischen Universität Berlin. Er ist der Sprecher des Exzellenzclusters. „Es ist enorm wichtig für den Berliner Forschungsraum, dass die aufgebaute Kompetenz erhalten bleibt“, sagt Drieß. „Wir wollen gemeinsam mit dem Land Berlin weiter dafür sorgen, dass die exzellente Katalyseforschung unter Wettbewerbsbedingungen ein Dauerbrenner bleibt, auf andere Disziplinen ausstrahlt und so neue Netzwerke zwischen den Naturwissenschaften, den Ingenieurswissenschaften und der Medizin hervorbringt – das Dach dafür wird das Gerhard-Ertl-Center sein.“ Dieses neue Zentrum soll im Oktober eröffnet werden und wird nach dem Physiker und Nobelpreisträger Gerhard Ertl benannt.

Neben der Methan-Umwandlung arbeiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch an der Erzeugung von Wasserstoff mithilfe von Bakterien und an neuen Wirkstoffen für Medikamente, die durch Enzyme produziert werden sollen. Dank der neuen Fördergelder soll nun ein weiteres Forschungsgebiet verstärkt erschlossen werden: „Wir möchten Kohlendioxid mithilfe von Katalysatoren nutzbar machen“, sagt Reinhard Schomäcker. In Zukunft könnten chemische Rohstoffe wie Essigsäure oder Ameisensäure daraus entstehen."

Nicht nur für die Umwelt könnten sich die Ergebnisse der UniCat-Forschung lohnen: Als Abfallprodukt ist beispielsweise Erdgas für wenige Euro pro Tonne zu haben. Schaffen die Forscher es, daraus Ethylen herzustellen, könnte dieses auf dem Weltmarkt derzeit für ein Vielfaches verkauft werden.

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