Zeitung Heute : Wie sag ich’s meinem Gärtner?

Elisabeth Binder

Immer wieder sonntags fragen Sie

Habe alle vierzehn Tage eine Gartenhilfe und gebe dem Mann immer eine Flasche Mineralwasser mit Glas. Selten trinkt er aus, manchmal fehlt nur wenig in der Flasche. Das Glas benutzt er nie. Es tut mir leid, das alles wegzuschütten.

Natürlich könnten Sie dem Mann einfach eine kleine Flasche geben, dann bleibt wenigstens nicht so viel übrig. Wenn Sie feststellen, dass er wirklich nicht aus dem Glas trinkt, lassen sie das Glas einfach weg. Ich kann verstehen, dass Sie nicht aus der gleichen Flasche trinken mögen. Und ich finde es richtig, dass Sie den Rest auch nicht einfach so wegschütten wollen. Da bleibt eigentlich nur eins. Reden Sie mit dem Mann! Ermutigen Sie ihn, das Glas zu benutzen. Sagen Sie doch einfach, dass Sie ein bisschen hypochondrisch veranlagt sind und es einfach hygienischer finden, wenn jeder aus einem eigenen Gefäß trinkt.

Wenn Ihnen das zu peinlich ist, probieren Sie es zunächst ruhig auch mal mit den kleineren Flaschen. Sie können ihm ja immer zwei hinstellen, dann bleibt die Menge gleich, aber die Zweite doch wahrscheinlich unangebrochen. Trotzdem würde ich Sie unbedingt ermutigen, Ihre Frage direkt anzusprechen. Vielleicht will der Mann ja nur höflich und rücksichtsvoll sein und Ihnen die Spülerei ersparen. Es ist wirklich grausam, wie viele vermeidbare Unannehmlichkeiten daraus entstehen, dass es den Leuten zu unangenehm ist, ihr Unbehagen zu thematisieren. Wer weiß, vielleicht trinkt der Mann ja nur ein paar Schlucke, um Ihre Gastfreundschaft zu würdigen, und hat Angst, Sie zu kränken, wenn er gar nichts nimmt. Wenn Sie ihn wissen lassen, dass Ihre Offerte wirklich nur der Sorge um sein Wohlbefinden entspringt, wird er vielleicht ebenso freundlich sagen, dass ihn die Arbeit gar nicht so durstig macht, oder dass er sich lieber ein eigenes Getränk mitbringt. Wer lernt, über kleine Dinge mit Fremden effektiv zu kommunizieren, wird auch große Probleme viel leichter lösen.

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