Zeitung Heute : Wie sag’ ich’s meinem Nachbarn?

Elisabeth Binder

Immer wieder sonntags fragen Sie

In der U-Bahn kommt es immer wieder vor, dass Männer extrem breitbeinig Platz nehmen und dabei die Beinfreiheit ihrer meist weiblichen Nachbarn deutlich beschränken. Wie reagiere ich, wenn ich selbst ganz zusammengedrängt sitzen muss, um nicht an die Knie eines solchen rücksichtslosen Zeitgenossen zu stoßen? Leider fehlen mir die richtigen Worte. Andererseits ärgere ich mich, weil das fast schon an Belästigung grenzt.

Es ist wirklich kein bisschen peinlich, wenn Sie jemanden, der sich so rüpelhaft benimmt, ansprechen. Kommt immer darauf an, wie Sie das tun. Ich würde eine betont sachliche, aber nicht unfreundliche Tonlage wählen und etwa Folgendes sagen: „Bitte entschuldigen Sie, aber könnten wir uns den Platz hier einigermaßen gerecht aufteilen? Wenn Sie sich nicht ganz so fett machen, kann ich hier auch noch gut sitzen.“ Oder so: „Es tut mir leid, aber wenn Sie so sitzen bleiben, stoße ich Sie immer wieder an. Könnten Sie netterweise Ihre Beine etwas einfahren?“Lassen Sie sich nicht irritieren, wenn der Angesprochene mit unwilligem Murren reagiert. Sie sind eindeutig im Recht, aber das schützt Sie nicht davor, die U-Bahn mit ungehobelten Typen teilen zu müssen. Wenn Sie Gepäck haben, einen Rucksack oder Einkaufstüten, dann könnten Sie solche Teile auch als Stoßdämpfer einsetzen. Dass sich die Passagiere immer mehr ausbreiten, ärgert offenbar viele Leute, die selber hoffentlich immer alle artig mit einem Platz auskommen. Lassen Sie sich nicht abschrecken von genervten Blicken, es macht gar nichts, über mutwillig als Schranken zu einem freien Platz eingesetzte Beine mal zu stolpern, wenn die nicht freiwillig eingezogen werden. Ist die U-Bahn leer, darf man sich auch mal ausstrecken. (Aber nie die Füße hochlegen!) Wenn sie voll ist, sollte man sich möglichst kompakt präsentieren, bevor sich jemand ärgern muss.

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