Zeitung Heute : Wie sag’ ich’s meinen Gästen

Elisabeth Binder

Immer wieder sonntags fragen Sie

Eine Freundin lud meinen Mann und mich mit drei anderen Gästen zusammen zum Abendessen ein. Die Freundin, die, wie sie stets betont, aus einem sehr vornehmen Hamburger Haus stammt, brachte aus der Küche Suppenteller, die schon befüllt waren. Auf meine Frage, welche gute Suppe das sei, sagte sie: „Dies ist Vogelgrippesuppe, danach gibt es Schweinepestbraten und dann BSE-Braten.“ Ich habe die Hühnersuppe kommentarlos gegessen und vom Braten nichts genommen. Ich ärgere mich sehr, ist das berechtigt?

Ihr Ärger ist sicher berechtigt. Es wäre in Ordnung, auch einmal einen Scherz über die oftmals ins Hysterische ausartenden Ängste vor bestimmten Nahrungsmitteln zu machen. Wenn man das allzu ernst nimmt, bleibt am Ende nicht viel zum Essen übrig. Aber solche Scherze haben Grenzen und sollten nicht ausufern. Schließlich ist andererseits eine gewisse Sensibilisierung für diese Fragen natürlich auch ein dringend benötigter Schutzmechanismus, der ernst genommen werden sollte.

Lange bevor wir bei dieser Erörterung landen, stehen aber einfache Höflichkeitsregeln, die Ihre Freundin offensichtlich missachtet hat. Freundlich ist es, wenn der Gastgeber das Menü auf Kärtchen schreibt und diese auf dem Tisch verteilt. Wo dazu die Mittel fehlen, kann man auch vorab ankündigen, was es geben wird. Nicht jeder mag alles, und wenn man schon weiß, dass es zum Hauptgang etwas gibt, was man gar nicht gerne isst, dann wird man bei der Vorspeise umso lustvoller zuschlagen. Man möchte als Gastgeber doch, dass sich die Menschen, die man einlädt, rundum wohl fühlen. Da muss man sie schon einweihen.

Ach ja, wenn jemand sehr darauf dringt, dass er aus vornehmem Hause kommt, sollte man skeptisch sein. Die Betonung einer solchen Herkunft und die Herkunft selbst schließen einander nämlich eigentlich aus.

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