Zeitung Heute : Wie schenke ich freudig?

Elisabeth Binder

Immer wieder sonntags fragen Sie

Mein Bruder wünscht sich zur Hochzeit Geld zur Finanzierung seiner Hochzeitsreise. Ich finde das unpassend, aber auf meine Nachfrage bestand er darauf, dass dies sein Wunsch sei. Wie finde ich eine Lösung?

Katrin, bargeldsensibel

Eine gelungene Hochzeitsreise, die von einem satten finanziellen Polster gut abgefedert ist, schafft unter Umständen Erinnerungen für das ganze Leben und ist bestimmt dazu angetan, ein junges Glück zu festigen. Außerdem ist es ja viel einfacher, einen Geldschein in einen Umschlag zu stecken, als sich stundenlang Gedanken zu machen und durch die Geschäfte zu rasen. Andererseits ist die Finanzierung einer Hochzeitsreise natürlich ein Teamwork von vielen Gästen, und es bleibt tatsächlich nur die verblassende Spur der Erinnerungen. Außerdem kann es peinlich sein, wenn man auf Heller und Cent preisgeben muss, exakt wie viel einem die Gabe wert ist. Ich finde, Ihr Bruder sollte nicht so beharrlich in seinen Wünschen sein. Es ist völlig okay, sich die Finanzierung einer Hochzeitsreise zu wünschen, solange man bereit ist, diese jenen Gästen zu überlassen, die so eine Aktion gut und praktisch finden beziehungsweise weder ausreichend Zeit noch Phantasie haben, ein anderes Geschenk zu besorgen. Für seinen Wunsch spricht, dass in Massen kommende Geschenke den Nachteil haben, dass sie eine kleine Wohnung unnötig voll stellen. Trotzdem, wenn jemand zu erkennen gibt, dass er lieber etwas Individuelles schenken möchte, dann sollte man sich als Empfänger einer solchen Gabe auch darauf freuen können und sie unbedingt willkommen heißen. Es bringt nichts, sich selbst oder andere zur vermeintlichen Vernunft zu zwingen, schon gar nicht bei einem eigentlich romantischen Ereignis. Wenn Sie also eine gute Geschenkidee haben, an der Sie hängen, dann bleiben Sie dabei. Sollte es Ihnen nur ums Prinzip gehen, würde ich allerdings nachgeben. Es ist schließlich seine Party, und er soll glücklich werden. Aber einen extra aufwendig verpackten Reiseführer oder eine zusammenfaltbare Tasche mit einem ironischen Schild dran „Für Mitbringsel“ würde ich der Geldspende dann auf jeden Fall hinzufügen. Schon aus pädagogischen Gründen.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen mit der Post oder mailen Sie an meinefrage@tagesspiegel.de

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben