Zeitung Heute : Wie sicher ist unsicher

Bernd Hops

Bei den Tarifverhandlungen bei der Bahn gab es einen Durchbruch. Für wen zahlt sich der Beschäftigungspakt aus, der beinhaltet, dass die Beschäftigen zwei Wochenstunden mehr arbeiten und dafür einen Schutz vor betriebsbedingter Kündigung bis 2010 bekommen?

Monatelang haben die Deutsche Bahn und die Gewerkschaften um einen neuen Beschäftigungspakt für den Konzern gerungen. Am Montagabend dann einigte man sich auf einen neuen Tarifvertrag für die rund 140 000 Eisenbahner, wie aus Verhandlungskreisen verlautete. Damit kann auch der bereits ausgehandelte Beschäftigungspakt in Kraft treten.

Das Beschäftigungsbündnis bietet Vorteile sowohl für den Konzern als auch für die Beschäftigten. Die Arbeitnehmer erhalten Sicherheit – in einem Unternehmen, das in den vergangenen Jahren im Schnitt jeweils 10000 Stellen gestrichen hat, kein geringes Gut. In den kommenden Jahren wird die Bahn weiter Arbeitsplätze einsparen, aber betriebsbedingte Kündigungen sind laut dem Pakt bei allen, die mindestens fünf Jahre in den Diensten der Bahn standen, bis 2010 nicht möglich – und zwar im gesamten Konzern. Die Bahn hält sich nicht die Ausweichmöglichkeit offen, in Tochterunternehmen andere Regeln anzuwenden. Außerdem hat die Bahn deutlich gesagt, dass auch bei den Mitarbeitern, die noch keine fünf Dienstjahre hinter sich haben, betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden sollen. Als Gegenleistung machen die Mitarbeiter der Bahn zeitlich befristete Zugeständnisse. Insgesamt soll der Konzern 5,5 Prozent der Arbeitskosten sparen. Da die Konkurrenz durch andere Bahnunternehmen im Zuge der stärkeren Öffnung des Marktes in der EU in den nächsten Jahren wachsen wird, muss die Bahn effizienter werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Dass das Bündnis nicht schon längst endgültig vereinbart wurde, liegt an den möglichen Folgen der Details. Denn die Kosteneinsparungen sollen zum Großteil durch Mehrarbeit bei gleichem Lohn oder Lohnverzicht bei gleicher oder geringerer Arbeitszeit erzielt werden. Viele Beschäftigte haben nun aber offenbar die Sorge, dass Mehrarbeit häufig noch mehr Stellen kosten wird. Sie haben das Gefühl, nicht genügend Sicherheit für den Preis zu erhalten, den sie für den Beschäftigungspakt zahlen sollen.

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