Zeitung Heute : Wie sicher sind Öko-Produkte eigentlich?

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Für die Öko-Landwirtschaft ist das eine Katastrophe“, sagt Agrarexperte Friedrich Graefe zu Baringdorf. Und er meint damit in erster Linie die Versäumnisse der Öko-Verbände bei der Aufklärung der Öffentlichkeit. Denn mehrere Verbände, unter anderem die Verantwortlichen im Naturland-Verband, wussten bereits im Frühjahr um die Nitrofen-Funde. Gerade die Öko-Verbände hätten rasch aufklären und die Kontrollen verschärfen müssen, meint Graefe zu Baringdorf. Denn spätestens seit dem BSE-Skandal vertrauten die Deutschen den Öko-Bauern als Lieferanten unbedenklicher Lebensmittel. Doch der EU-Parlamentarier, selbst Landwirt, beklagt noch ein anderes Versäumnis. Seit Ministerin Künast das Ziel der Steigerung der Öko-Produktion von drei auf 20 Prozent der deutschen Nahrungsmittelproduktion proklamiert habe, sei eine „Industrialisierung“ der Öko-Landwirtschaft eingetreten. „Früher waren wir Idealisten“, sagt Graefe zu Baringdorf, „jetzt haben wir unsere Unschuld verloren." Wie viele andere Öko-Verbände beklagt auch er, dass das von Künast eingeführte Öko-Siegel den Produzenten weniger Kontrollen abfordert, als die herkömmlichen Siegel, wie Naturland oder Demeter. So könnten heute Hersteller ihre Produkte mit dem Siegel versehen, denen es vor zwei Jahren noch versagt worden wäre. Auch Caroline Link, Expertin bei „Ökotest“, räumt ein, dass es für den Verbraucher schwer sei, die Gütesiegel zu unterscheiden. Allein für Fleisch gebe es rund 100 Gütesiegel und Markenfleischprogramme, knapp 40 davon für Biofleisch und Fleisch aus artgerechter Haltung. „Die Qualitätsstandards sind unterschiedlich“, sagt Link. Am Ende werden die Verbraucher noch skeptischer nachfragen müssen. ce/asi

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