Zeitung Heute : Wie Software benutzerfreundlich wird

Sybille Nitsche

Wenn technische Produkte dem Benutzer das Gefühl vermitteln, für das Gerät nicht klug genug zu sein, kann das für das Gerät verheerend enden. Nämlich damit, dass es vom Markt verschwindet, weil es nicht gekauft wird. Um dieser Gefahr zu entgehen, können Firmen ihre Entwicklungen an der TU Berlin einem wissenschaftlichen Test unterziehen. „Wir beraten kleine und mittlere Unternehmen bereits in der Entwicklungsphase, damit sie ihre Produkte gebrauchstauglich gestalten können“, sagt Benjamin Uebel, Psychologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet „Kognitionspsychologie und Kognitive Ergonomie“ der TU Berlin.

Ein Kriterium gebrauchstauglicher Produkte ist ihre intuitive, selbst erklärende Handhabung. Für Alltagsgegenstände wie für Software oder Webseiten gelte der Slogan „Don''t make me think!“ – „Zwinge mich nicht zum Nachdenken!“, sagt Uebel. Eine Webseite, die sich einem erst erschließt, nachdem man mühsam die Gedankengänge des Entwicklers nachvollzogen hat, ist nicht im Sinne des Nutzers.

Um herauszufinden, wie gebrauchstauglich ein technisches Produkt ist, werden den Testpersonen verschiedene Aufgaben gestellt. Sie sind so angelegt, dass die Wissenschaftler und Studenten des Masterstudienganges „Human Factors“ beurteilen können, ob die vorgesehenen Funktionen des Produkts überhaupt genutzt werden können.

Uebel nennt ein Beispiel: „Eine Firma hatte eine virtuelle Welt entworfen, die sich mit einem Avatar erkunden lässt.“ Mit diesem digitalen Doppelgänger konnte man Kontakte knüpfen, herausfinden, welche Konzerte stattfinden oder eine Party organisieren. „Unsere Testpersonen sollten sich all diese Möglichkeiten erschließen mit dem, was die Entwickler dafür zur Verfügung gestellt hatten“, berichtet der Forscher. „Und siehe da, ein Teil der Tester scheiterte schon daran, den Avatar überhaupt zu steuern“, erzählt Uebel.

Als er die Programmierer mit diesem Ergebnis konfrontierte, fielen die aus allen Wolken: „Bis dahin war es für sie unvorstellbar, dass man nicht wissen könnte, wie man ihren Avatar in Bewegung setzt.“

Auch bei Softwaremenüs untersuchen die Forscher die Gebrauchstauglichkeit. Sie analysieren anhand von wissenschaftlich begründeten Gestaltungsregeln, welche Probleme auftreten und leiten daraus Empfehlungen ab. Solche Regeln betreffen etwa die Breite und Tiefe eines Menüs, den Klickaufwand oder die Anschaulichkeit der Begriffe.

Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung noch bis 2010 mit insgesamt 500 000 Euro. Die TU Berlin hatte damit bereits im vergangenen Jahr den Innovationswettbewerb „Wirtschaft trifft Wissenschaft“ gewonnen. Sybille Nitsche

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