Zeitung Heute : Wie stark stehen HiFi-Geräte unter Strom?

Wie erkenne ich, ob ein Fernsehgerät oder eine Stereoanlage zu viel Strom frisst?

Leider kaum. Die Verkäufer im Elektrofachhandel sind nicht immer über energieeffiziente Techniken informiert – und manchmal findet sich der Stromverbrauch nicht einmal im Datenblatt eines Fernsehers oder HiFi-Gerätes. Wenn sie es genau wissen wollen, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als ein Strommessgerät auszuleihen oder im Elektroladen zu kaufen.

Gibt es spezielle „Label“, wie bei Kühlschränken oder Waschmaschinen?

Es gibt zwar einige Label, die anzeigen, dass Mindeststandards eingehalten werden. Die geben aber nur eine ungefähre Orientierung. Das „Energy“ Label zum Beispiel – zu erkennen am roten Schriftzug „Energy“ mit gelbem Häkchen – kennzeichnet einen niedrigen Standby-Verbrauch, sagt aber nichts aus über den Verbrauch im Betrieb. Für Fernseher gibt es noch die sogenannte „EU-Blume“. Neben einem niedrigen Energieverbrauch zeichnet sie zum Beispiel auch Recyclingfähigkeit aus. Doch sie wird nur selten vergeben. Unsere Forderung ist, dass ein „A bis G“-Label wie bei Haushaltsgeräten eingeführt wird. Alle Geräte müssten dann verpflichtend in Energieverbrauchsklassen eingeteilt werden. Das wird in der EU-Kommission mittlerweile ernsthaft diskutiert und könnte schon 2009 kommen.

Wie viele Euro pro Jahr kann ich durch sparsame Elektrogeräte einsparen?

Kommt natürlich auf ihre Nutzungsgewohnheiten an. Beispiel: Wenn Sie drei Stunden täglich fernsehen, und einen LCD-Fernseher mit 180 Watt statt einen Plasmafernseher mit 280 Watt wählen, sparen sie im Jahr circa 22 Euro im Jahr.

Verbrauchen moderne Flachbildfernsehgeräte automatisch weniger Strom als die alten Röhrenfernsehgeräte?

Auf keinen Fall. Das Gegenteil ist der Fall – anders als bei Computerbildschirmen. Der Hauptgrund ist, dass die modernen Bildschirme wesentlich größer sind. Bei gleicher Bildschirmdiagonale gibt es kaum einen Unterschied zwischen Röhre und LCD. Mit der Größe steigt der Stromverbrauch aber rapide an. Und bei einem Plasmabildschirm können sie noch einmal bis zum Doppelten veranschlagen wie beim LCD.

Durch welche technischen Tricks werden neue Geräte trotzdem energiesparend?

Es gibt ein paar Neuentwicklungen, die aber noch nicht breit vermarktet werden. So stellte Sharp Anfang August ein LCD-Gerät mit um zwei Drittel verringerter Leistungsaufnahme vor, das mit einem Solarpanel betrieben werden kann. Die technischen Hintergründe wurden jedoch nicht verraten – und es blieb offen, ob und wann das Gerät auf den Markt kommt. Wir erwarten hier entscheidende Impulse von der Politik: In der EU werden derzeit Mindeststandards diskutiert.

Corinna Fischer ist beim Bundesverband der Verbraucherzentralen für den Fachbereich Bauen, Energie, Umwelt zuständig. Das Interview führte Philipp Eins.

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