Zeitung Heute : Wie telefoniere ich vernünftig?

Elisabeth Binder

Immer wieder sonntags fragen Sie

Mich stört es, wenn Leute neben einem Festnetzapparat sitzen und mit dem Handy telefonieren. Das ist doch Verschwendung. Allerdings zögere ich selber, Anrufer, die mich in meinem Büro auf dem Handy erreichen, aufzufordern, noch mal die Festnetznummer zu wählen. Würde ich da nicht wie ein Pfennigfuchser wirken?

Die Jugendlichen sind da schon weiter. Immer wieder sieht man junge Typen an öffentlichen Fernsprechern stehen, in ihrem Handytelefonbuch blättern, aber die Nummer dann sparsam an der Säule wählen. Es ist doch wirklich ganz albern, durch Bürogebäude zu gehen und überall auf Leute zu blicken, die ihr Handy fest ans Ohr gepresst haben, während in den Büros die Festnetzapparate unbenutzt vor sich hindämmern. Sicher, es kann immer mal passieren, dass man ein dringendes privates Gespräch erledigen muss, das nicht jeder Schreibtischnachbar mithören und der Arbeitgeber nicht bezahlen muss. Da ist ein Handy natürlich sehr nützlich, weil man sich damit mal kurz vor die Tür verdrücken kann und so diskret etwas regeln kann, was einen von der Arbeit ablenken würde, wenn es unerledigt bliebe. Beruflich begründete Gespräche lassen sich über einen Festnetzapparat meist viel komfortabler führen als übers teurere Handy. Vielleicht kommt es auf ein einzelnes Drei-Minuten-Telefonat nicht an. Aber der Unterschied zwischen einem Drei-Minuten-Gespräch und dreißig Drei-Minuten-Gesprächen von Kontinent zu Kontinent kann schon erheblich zu Buche schlagen. Der Spruch mag superaltmodisch klingen, aber wahrscheinlich hat er mehr Millionäre gemacht, als die vereinigten Börsen aller Länder: „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.“ Seien Sie immer so großzügig wie möglich. Aber wenn Ihr Gefühl Ihnen sagt, dass unnötige Verschwendung betrieben wird, dann hören Sie auch darauf. Ihr Image wird das ganz bestimmt verkraften. Oder sogar davon profitieren.

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