Zeitung Heute : Wie viel IT-Wissen muss sein?

Nichts ändert sich so schnell wie der Umgang mit dem Computer. An Angeboten zur Weiterbildung mangelt es darum nicht

Kurt Sagatz

In einer x-beliebigen Stellenanzeige einer Tageszeitung wird ein Beauftragter für das Qualitätsmanagement gesucht. Direkt nach den spezifischen Berufsanforderungen wird als Erwartung angegeben, dass die Stellungssuchenden über „gute Kenntnisse im Bereich Web, Netzwerk, Officeprogramme“ verfügen müssen. Eine andere Anzeige aus dem Bereich „Buchhaltung und kaufmännische Verwaltung“ ist ähnlich deutlich: „MS-Office beherrschen Sie perfekt und Sie haben Kenntnisse im EDV-Bereich“, heißt es dort. Selbst als studentische Hilfskraft kommt man ohne IT-Wissen kaum noch an einen neuen Job, und auch Praktikanten sind gut beraten, mehr als nur Grundkenntnisse im Umgang mit Windows, Office und dem Internet vorzuweisen.

Oder im Handwerk, „wo der Computer inzwischen genauso wichtig ist wie das klassische Werkzeug“, wie Hans Borch, Fort- und Weiterbildungsexperte des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB) sagt. Nicht nur bei der Steuer- und Messtechnik, sondern auch, um Rechnungen zu erstellen oder den Einkauf über das Internet zu erledigen.

Im Idealfall findet die Weiterbildung nicht nur in Absprache mit dem Arbeitgeber statt, sondern zudem im direkten beruflichen Umfeld, also im Betrieb, sagt Borch. Wichtig sei es, nicht nur die einzelnen IT-Funktionen, sondern auch die Prozessorientierung in der täglichen Praxis zu verstehen. Ein weiterer Vorteil der Inhouse-Weiterbildung: Das Erlernte kann sofort angewandt und im Bedarfsfall vertieft werden.

Die Praxis zeigt aber auch: Nicht jeder Arbeitgeber ist bereit, die dafür entstehenden Kosten zu tragen. Dann ist Eigeninitiative gefordert. Im Fokus stehen Angebote zu Windows, zu Office-Programmen für Textverarbeitung und Tabellenkalkulation oder einem Datenbankprogramm sowie der Umgang mit Internet und E-Mail. Von Zwei-Tages-Crashkursen sei abzuraten, sagt der BiBB-Mann. Besser seien längerfristige Kurse. „Eine Kompetenz zu erlernen, braucht seine Zeit“, sagt Borch.

Um sich im eigenen Unternehmen für eine andere Stelle zu qualifizieren, rät der Weiterbildungsexperte der Berliner IHK, Friedhelm Rennhak, den Kurs genau auf die dort eingesetzte Hard- und Software auszurichten. Entscheidend seien die herstellerspezifischen Programme, denn wenn Lotus eingesetzt werde, helfen Kenntnisse in Outlook nicht weiter.

Möglicherweise kann aber auch ein Ebay-Kurs für einen Handwerker sinnvoll sein, um über die Internet-Plattform beispielsweise neue Aufträge an Land zu ziehen. Möglich ist dies unter anderem bei den Volkshochschulen, im Rahmen einer VHS-Kooperation mit Ebay. Einen Trend zu spezialisierten Inhalten stellt auch Walter Kaschubat von der VHS Schöneberg-Tempelhof fest. In seinem Programmbereich Arbeit, Beruf, Technik nimmt der IT-Zweig eine besondere Rolle ein, zwei Drittel aller Angebote stammt aus diesem Sektor. Für die berufliche Weiterqualifikation eignen sich besonders jene Kurse, an deren Ende die bundesweit einheitlichen Xpert-Zertifikate oder der europäische Xpert-Computerpass ausgestellt werden.

Um festzustellen, welcher Kurs für das eigene berufliche Fortkommen am besten geeignet ist, sollte man nach Kaschubats Empfehlung einen der VHS-Beratungstermine wahrnehmen, die man für die verschiedenen Volkshochschulen über die jeweiligen Webseiten in Erfahrung bringen kann. Seit zwei Semestern bieten einige Volkshochschulen auch spezielle Computerkurse an, bei denen es sich um eine Mischung aus E-Learning und Präsenzveranstaltung handelt.

Der VHS-Kurs kann sich auch finanziell lohnen. Wer an einem Lehrgang teilnimmt, in dem es um Computerwissen geht, erhält die Microsoft-Lizenzen beispielsweise für Windows XP oder Office zum Studentenpreis.

Hilfreiche Internet-Adressen:

infobub.arbeitsagentur.de/kurs,

berlin.wdb.de, www.it-wb.de.

www.lift-berlin.de, www.vhs.de

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