Zeitung Heute : Wie wehre ich Komplimente ab?

Elisabeth Binder

Immer wieder sonntags fragen Sie

Wie wehrt man sich gegen übertriebene Komplimente? Letztens stellte mich ein Bekannter seinen Freunden als „Berlins genialste Pianistin“ vor. Dabei gebe ich eigentlich nur Klavierstunden und spiele allenfalls mal im Familien- oder Bekanntenkreis. Die Situation war mir sehr peinlich, er hat das früher auch schon mal gemacht.

Manchmal wollen sich Leute nur anbiedern und einschleimen, wenn sie jemanden mit Übertreibungen anpreisen. Es spricht für einen Mangel an Sensibilität, wenn sie nicht erkennen, dass dem Opfer das unangenehm ist. Natürlich könnten Sie schlagfertig reagieren: „Dieses Kompliment vom größten Hobby-Dirigenten aller Zeiten verdiene ich eigentlich gar nicht.“ Aber ich kann verstehen, wenn Ihnen das zu blöde ist. Wenn es immer wieder derselbe Bekannte ist, der Sie in solche Situationen bringt, ist die Lösung einfach. Sie knöpfen ihn sich mal alleine vor und geigen ihm die Meinung. Manche der anstrengenden Zeitgenossen kennen einfach keine Grenzen, wenn es darum geht, ihre vermeintliche Weltläufigkeit darzustellen. Denen ist nicht klar, dass sie sich auf Kosten anderer albern benehmen. Passiert es Ihnen mit verschiedenen Leuten, müssen Sie sich ein paar flotte Sprüche zurechtlegen. „Danke, eine bessere Werbung kann sich eine arme Klavierlehrerin kaum wünschen“, wäre eine Möglichkeit, unerwünschte Schmeicheleien abzufangen.

Die übertriebene Vorstellung ist eine grassierende Unsitte. Deshalb noch mal an alle: Versuchen Sie nicht, krampfhaft originell zu sein. Man darf einen Freund oder Kollegen als „besonders netten Menschen“ vorstellen. Wo’s um weitere Qualifikationen geht, sollte man höchstens die Tätigkeit beschreiben. „Das ist Laura. Wenn du mal Klavierstunden brauchst, bist du bei ihr besonders gut aufgehoben.“ Das ist nett und bleibt in einem erträglichen Ton-Rahmen.

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