Zeitung Heute : Wieder mal die üblichen Verdächtigen

Marcel Reif erklärt, welche Teams ausscheiden mussten

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Wer hat gehen müssen nach der Vorrunde? Die üblichen Verdächtigen. Es ist nicht überraschend, dass die Tschechen heimfahren, die Serben, Polen, Kroaten. Es sind Teams der Fußball-Schwellenländer. Ein Blick auf die Landkarte reicht, auf die Einwohnerzahl, um die Chance bei einer WM einigermaßen zuverlässig auszurechnen. Was diese Nationen nicht haben, ist Substanz. Was sie ab und an mal haben, sind goldene Generationen: überdurchschnittliche Spieler, die andere mitziehen, mit denen ein paar Jahre in der Weltspitze mitgespielt werden kann, bis diese ihr Alter erreicht haben und keine neuen überdurchschnittlichen Spieler nachgefolgt sind. 1974 spielten die Polen eine herausragende Weltmeisterschaft, nur der Regen stoppte sie. Da hatten sie Leute wie Gadocha, Lato, eine glückliche Generation, sie hat ihr Können nicht vererbt. 1994 köpfte Letschkow die Deutschen aus dem Turnier, es gab auch noch Stoitschkow bei den Bulgaren. Geblieben ist nur der verblasste Ruhm. Oder die Kroaten. Christian Wörns träumt heute noch schlecht vom Können Davor Sukers, von Boban und Prosinecki. Heute träumen nur noch die Kroaten – davon, mal wieder Spieler dieser Güte zu finden. Nun ist es Nedved bei den Tschechen, oder Milan Baros. In Nedveds Pass steht: Alter 34. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht.

Die erfolgreiche Schweiz ist kein Gegenbeispiel, die liefert derzeit nur den ersten Teil des Exempels. Sie hat akribisch gesucht, aufgebaut, gefördert und hat nun eine Mannschaft, die von niemandem unterschätzt werden sollte. Jetzt nicht und auch nicht bei der EM in zwei Jahren und vielleicht auch nicht bei der nächsten WM. Wenn dann die heutigen Spieler in die Jahre gekommen sind, ist es fraglich, ob sich die Schweiz wieder qualifiziert. Talent vererbt sich nicht massenhaft, erst recht nicht, wenn gar keine Masse vorhanden ist.

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