Zeitung Heute : Wieder Tote bei der Revolte in Nahost

Berlin - Die Proteste gegen autokratische Regierungen im Nahen Osten nehmen nach gewaltsam aufgelösten Kundgebungen an Schärfe zu. Im Jemen wurden am Freitag mindestens sechs Demonstranten getötet. In Libyen gingen erneut zahlreiche Regimegegner auf die Straße. Die Proteste wurden gewaltsam unterdrückt, nach Informationen der Opposition wurden mindestens 27 Menschen getötet. Staatschef Muammar al-Gaddafi schickte seine Söhne nach Benghasi und Al-Baidha, die Zentren der Proteste. Auch in Jordanien gab es Proteste.Im Golfstaat Bahrain versammelten sich mehrere tausend Oppositionelle zur Beisetzung von vier getöteten Demonstranten. Am Abend schoss die Polizei in die Menge, ein Demonstrant starb, mindestens 220 Menschen wurden verletzt.

Am Horn von Afrika in Djibouti gingen tausende Demonstranten auf die Straße und forderten den Rücktritt des Präsidenten Ismael Omar Guelleh, der das kleine Land seit der Unabhängigkeit 1977 regiert, und der sich im April ein drittes Mal zur Wahl stellen will.

In Ägypten feierten unterdessen Hunderttausende den Sturz von Präsident Hosni Mubarak, der vor einer Woche aus dem Amt gejagt worden war. Der Aufstand am Nil hat die Oppositionsbewegungen in der ganzen Region beflügelt.

Brennpunkt der Zusammenstöße in Libyen war Benghasi im Osten des Landes. Dort zündeten Demonstranten nach Angaben von Augenzeugen den Sitz des örtlichen Radiosenders an. Ein Behördenvertreter bestätigte die Brandstiftung. In der Stadt El Baida, 1200 Kilometer östlich der Hauptstadt Tripolis, brachten Demonstranten zwei Polizisten in ihre Gewalt und hängten sie auf, berichtete die Zeitung „Oea“ auf ihrer Website. Die Zeitung steht dem Sohn des libyschen Staatschefs Muammar Gaddafi, Seif el Islam, nahe.

Die tunesische Übergangsregierung hat am Freitag eine Amnestie für alle politischen Gefangenen beschlossen. Am Mittwoch hatte Justizminister Lazhar Karoui Chebbi mitgeteilt, dass 3000 Häftlinge freigelassen worden seien. Großbritannien hat den Export von Polizeiausrüstung nach Bahrein und nach Libyen am Abend gestoppt. rtr/AFP/Tsp

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