• Wikileaks kündigt Enthüllungen über US-Großbank an Assange will Daten Anfang 2011 zugänglich machen Sarkozy: Veröffentlichungen sind verantwortungslos

Zeitung Heute : Wikileaks kündigt Enthüllungen über US-Großbank an Assange will Daten Anfang 2011 zugänglich machen Sarkozy: Veröffentlichungen sind verantwortungslos

Sebastian Bickerich

Berlin - Nach der Veröffentlichung der Depeschen von US-Diplomaten hat das Internetportal Wikileaks weitreichende Enthüllungen auch über die Finanzbranche angekündigt. So würden Anfang 2011 zehntausende Dokumente einer großen US-Bank bekannt gemacht, die dadurch zu Fall gebracht werden könnte, sagte Wikileaks-Gründer Julian Assange dem US-Magazin „Forbes“. Es gehe um ungeheuerliche Verstöße und unethische Praktiken. „Man kann es auch das Ökosystem der Korruption nennen“, sagte der Australier. Die Dokumente zeigten, dass die Aufsicht über die Branche nicht richtig funktioniere und dass Manager vorrangig ihre eigenen Interessen im Blick hätten. Den Namen der Bank nannte der Chef von Wikileaks nicht. Es gehe aber um ein großes US-Institut.

„Forbes“ zufolge wurde das Gespräch am 11. November in London geführt; der derzeitige Aufenthaltsort Assanges, gegen den ein internationaler Haftbefehl wegen sexueller Belästigung vorliegt, ist unbekannt. Im August hatten sich zwei Frauen bei der schwedischen Polizei gemeldet und diese Vorwürfe erhoben. Der Wikileaks-Gründer hat die Anschuldigungen zurückgewiesen.

Ecuador bot Assange nun Asyl an. „Wir sind bereit, ihm ein Aufenthaltsrecht anzubieten, ohne Bedingungen“, sagte Vizeaußenminister Kintto Lucas. „Wir werden ihn nach Ecuador einladen, damit er die Informationen, die er besitzt und alle Dokumente vorstellen kann – nicht nur im Internet, sondern in vielen öffentlichen Foren.“

Die von Wikileaks veröffentlichten Depeschen stellen nach Ansicht des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy „den letzten Grad der Unverantwortlichkeit“ dar. Sarkozy war in den veröffentlichen Dokumenten als „empfindlich und autoritär“ sowie als Frankreichs „pro- amerikanischster Präsident seit dem Zweiten Weltkrieg“ bezeichnet worden. Experten sehen allerdings in den US-Anmerkungen über Politiker befreundeter demokratischer Staaten eher eine Ansammlung weitgehend bekannter Belanglosigkeiten; anders wird das im Fall diktatorischer Regime wie auf der arabischen Halbinsel oder im Umgang mit Nordkorea und China gesehen, über die es wegen fehlender Meinungsfreiheit und freien Medien nur wenige Informationen gibt. Mehrere Regierungspolitiker und US-Analytiker warnten vor einer weiteren Verschlechterung der Beziehungen der USA zur arabischen Welt und vor möglichen Spannungen in Korea, nachdem Wikileaks-Dokumente vertrauliche Einschätzungen chinesischer Diplomaten über den Verbündeten in Pjöngjang offenlegten.

Unterdessen warnte der Chaos-Computer-Club davor, dass künftig auch ärztliche Diagnosen oder Strafakten ihren Weg in das Internet finden könnten. Er teile die Befürchtungen des Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar, sagte CCC-Sprecher Frank Rosengart dem Tagesspiegel. „Je mehr Daten gesammelt werden, um so größer sind die Begehrlichkeiten, deshalb ist der Grundsatz der Datensparsamkeit richtig“, sagte Rosengart. Es könne sein, dass irgendwann „nicht nur um diplomatische, sondern auch persönliche Daten wie medizinische Diagnosen auftauchten.“

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