Zeitung Heute : Wilde Tiere in 3-D

Zur „klügsten Nacht des Jahres“ gibt es Experimente, Shows und den Kindercampus

Agnieszka Asemota Jana Bialluch
Virtuelle Anatomie. Das 3-D-Labor der TU Berlin erstellt mit Hilfe des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung faszinierende Einblicke in das Innere von Tieren – wie hier bei Eisbär „Knut“. Die Vorführungen finden im Haus der Mathematik statt. Foto: TU Presse/Dahl
Virtuelle Anatomie. Das 3-D-Labor der TU Berlin erstellt mit Hilfe des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung...

Am 28. Mai findet wieder die Lange Nacht der Wissenschaften statt. Die TU Berlin hat rund 250 Veranstaltungen dazu organisiert. Eine kleine Auswahl.

Bühne frei für die Wissenschaft: Handys zum Selbstbauen und Science Slam

Vom Handy mit Pfefferspray bis zur Bekämpfung dramatischer Ölunfälle – das gibt es in diesem Jahr in der Wissenschaftsshow, moderiert von RBB-Moderator Arndt Breitfeld. Dem Publikum wird das Entwerfen von Handys nahegebracht und der TU-Ölskimmer vorgestellt, der ausgelaufenes Öl auf dem Meer einsammelt. „Alte Meister“ á la van Gogh werden im Namen der Kunsterhaltung mit Techno-Musik beschallt. Außerdem wird vorgeführt, warum der künstlich hergestellte Haarfollikel nicht nur zur Haartransplantation taugt und was es mit der Kommunikation von unterschiedlichen Zelltypen auf sich hat. Darüber hinaus kann sich das Publikum auf erstklassige Stehgreif-Comedy mit den „Gorillas“ und einen virtuellen 3-D-Flug über den Mars freuen.

Dass Wissenschaft spannend und unterhaltsam sein kann, zeigt auch der erste Science Slam an der TU Berlin: ein Wettbewerb, bei dem junge Wissenschaftler in zehn Minuten unterhaltsam bis mitreißend ihr Thema präsentieren. Das Publikum wählt den Slammer des Abends.

„Große Wissenschaftsshow“, Haus der Ideen/TU-Hauptgebäude, Straße des 17. Juni 135, Audimax, ab 20.00 Uhr

„Science Slam@TU Berlin“, Haus der Ideen/TU-Hauptgebäude, Straße des 17. Juni 135, H 1028, ab 23.30 Uhr

Gerette Götter vom Tell Halaf

und das Ende der Berliner Mauer

Die Götter, Sphingen und Dämonen aus dem Palast vom Tell Halaf sind 68 Jahre nach ihrer Zerstörung wieder in Berlin zu sehen und ihre Geschichte ist beim Sommernachtssalon in der Langen Nacht der Wissenschaften zu hören. Die Figuren wurden aus rund 27 000 Bruchstücken zusammengesetzt. Die Berliner Mauer dagegen wurde abgetragen: Sie führte als steinernes Symbol des Kalten Krieges durch und um Berlin. Ein Jahr nach ihrem Fall war sie fast verschwunden. Zu ihrer Bau- und Abbaugeschichte referieren TU-Bauhistoriker. Zum Programm des Sommernachtssalons gehören auch eine Comic-Lesung über Franz Fink, den Fahrstuhlführer im Berliner Fernsehturm, Unheimliches in den Grimm’schen Märchen, Duftstudien im Regenwald, ein imposanter Bericht über die Napoleon-Ausstellung in Bonn und vieles mehr.

„Sommernachtssalon der schönen Künste“, Universitätsbibliothek, Fasanenstraße 88, Foyer, ab 19.00 Uhr

Mit Hightech-Instrumenten millionenfach vergrößern

Welche Strukturen Nanopartikel bilden und warum die Fliege an der Decke laufen kann, sehen die Besucher im Zentrum für Elektronenmikroskopie. Damit das hochsensible Transmissionselektronenmikroskop exakt arbeiten kann, wurde eine störungsarme Umgebung geschaffen: So verringern die Haus-im-Haus-Bauweise und 122 bis zu zehn Meter tiefe Pfähle mechanische Vibrationen. Im Frühjahr 2010 wurde das Zentrum auf dem Campus Charlottenburg fertiggestellt. Erstmals steht das Haus der Mikroskopie für Lange-Nacht-Besucher offen.

„Großes Haus für kleine Dinge“, Haus der Mikroskopie, Marchstraße 10, Führung ab 17.00 Uhr

Heftiger Regen – aber nur im Labor

Regenjacken könnten im Haus des Bauens, der historischen Peter-Behrens-Halle der TU Berlin am Standort Wedding, von Nutzen sein. Denn dort präsentieren die Forscher Gebäude-Prüfverfahren wie den Schlagregenstand, um Dacheindeckungen zu untersuchen. In der Klimakammer werden Außenwände auf ihre Durchhhaltevermögen geprüft und bei der Windsogsimulation wird die Tragfähigkeit einer Außenwandbekleidung getestet. Mit diesen Versuchen, die zeigen, wie wetterfest Baukonstruktionen sind, reagieren Bauingenieure auf den Klimawandel.

Auch Zeppelin-Fans kommen auf ihre Kosten. Zu den Highlights im Haus des Bauens gehört die Luftschiffregatta, organisiert von der Projektwerkstatt ISO-Luftschiff. Jeweils um 19 und um 22 Uhr werden die selbst konstruierten Zeppeline unter dem Dach der 180-Meter-langen Halle um die Wette fliegen.

Haus des Bauens/Peter-Behrens-Halle, Gustav-Meyer-Allee 25, ab 17.00 Uhr

Sommermusik vor dem TU-Hauptgebäude

Zur Langen Nacht gehört Musik, diesmal ein musikalischer Cocktail aus Reggae, Dancehall und einer Portion Soul der Berliner Band Bonfyah. Nach Seed und Culcha Candela stürmte Bonfyah im Jahr 2009 die Bühnen, gewann das „So klingt Berlin Festival“ und nahm ihr Debütalbum „Orwohaus“ auf, das vom Aushängeschild der deutschen Reggae-Szene Ganjaman gemixt wurde. Und bei ihren Auftritten schafft es Frontfrau Lotte immer wieder, ihre Stimme wie die der amerikanischen Soul-Sängerin Alicia Keys klingen zu lassen. Mit weiteren Hip Hop-, Ska- und Reggae-Acts wie Hip Hop Mobil, DJ Lou Large, Italo-Swing von Jakkle!! und französischen Chansons von Amalia Chikh wird die Wissenschaftsnacht zur Frühsommer-Party.

„Live in Concert@TU Berlin“, vor dem Haus der Ideen/TU-Hauptgebäude, Straße des 17. Juni 135, ab 17.00 Uhr

Roboterhunde selbst programmieren

Junge Forscher aufgepasst: Auf dem Kindercampus geht es wieder kreativ zu. Die Kids der Jamdance-Academy begeistern mit ihren Tanzeinlagen, Schüler führen chemische Tricks mit Farben vor und ein musizierender Clown sorgt für gute Laune. Auch die beliebten Roboterhunde sind wieder dabei. Die Haustiere der Zukunft hören auf Befehle und können programmiert werden. Solaranlagen bauen, mit Hilfe von Magneten kleine Kunstwerke entstehen lassen und erfahren, wie sich der Schall im Ohr ausbreitet – mit diesen und vielen anderen Experimenten können die jungen Teilnehmer die Welt der Wissenschaften ergründen.

Bei den Workshops der Staatsoper können Eltern mit ihrem Nachwuchs die Faszination der Oper erleben, Kostüme anprobieren und mit den Profis singen. Auf den beliebten Kindertouren müssen die kleinen Wissenschaftler an verschiedenen Stationen Aufgaben lösen und können sich so eine „Mini-Master“-Urkunde verdienen.

Kindercampus, Hardenbergstraße 34, ab 17.00 Uhr

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