Zeitung Heute : „Wir brauchen mehr IT in den Berufen“

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Herr Pfisterer, welche Qualifikationen sollte ich heutzutage mindestens haben, wenn ich in einem Büroberuf arbeite?

Sie sollten Anwenderkenntnisse in Microsoft Office haben, mit einem EMail-Programm umgehen und einfache Berechnungen in Excel durchführen können. Auch dass Sie im Internet und in Datenbanken recherchieren können, ist wichtig. Dazu sollten Sie ein grundsätzliches Verständnis dafür erworben haben, wie Sie mit einem Computer und dem Internet umgehen sollten, um Schaden von Ihrem Arbeitgeber fernzuhalten. Wichtig ist zu wissen, dass nicht alles aus dem Netz heruntergeladen werden sollte und nicht jede Datei, die man per E-Mail erhält, öffnen sollte. Gerade da ist einiges noch nicht so, wie wir uns das wünschen.

Woran liegt das?

Es ist ja nichts Neues, dass wir in Deutschland nicht gerade ein Überangebot an qualifizierten IT-Lehrern haben. Dadurch kommt das Thema in der Ausbildung noch zu wenig vor. Wir brauchen nicht nur IT-Berufe, sondern auch mehr IT in den Berufen.

Wie kann ich mich selbst fit in Sachen Computer machen?

IT an sich ist viel zu breit, um alles zu beherrschen. Vieles bleibt Spezialistenarbeit. Wenn es etwa darum geht, die Firewall des Unternehmensnetzwerks wirklich wasserdicht zu bekommen, können Sie das nicht mal eben in einem Kurs lernen, weil hierfür viele spezielle Anforderungen aus der IT-Infrastruktur zu berücksichtigen sind. Wenn Sie aber nur in der Lage sein wollen, die bestehende Website Ihres Unternehmens ab und zu zu aktualisieren, dann reicht sogar oft ein Volkshochschulkurs, wenn er vernünftig angelegt ist. HTML kommt teilweise auch schon in Bewerbertrainings vor oder wird im Rahmen des Studium Generale an der Universität angeboten. Wenn Sie allerdings in Richtung Systemadministration gehen wollen, müssen Sie nach einem speziellen Anbieter suchen.

Und wie finde ich heraus, welcher Anbieter der Richtige ist? Der Markt scheint ziemlich unübersichtlich zu sein.

Beratung und teilweise auch Angebote zum Thema Weiterbildung gibt es bei den Industrie- und Handelskammern, bei den Wirtschaftsverbänden und bei den Gewerkschaften. Der beste Fall ist natürlich, dass Sie einen Arbeitsplatz haben und sich dort arbeitsplatznah weiterqualifizieren, wo im Unternehmen konkreter Bedarf besteht. Wenn es zum Beispiel um Netzwerk-Administration geht, dann hängt es davon ab, mit welchem System gearbeitet wird. Darauf müssen dann die einzelnen Qualifizierungseinheiten abgestimmt werden.

Die Fragen stellte Kai Kolwitz

Stephan Pfisterer

ist Bereichsleiter

Bildung und Personal des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) in Berlin

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