Zeitung Heute : Wir haben den Papst Helmut Schümannn trifft polnischen Beamer-Verkäufer

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In der Dreiradenmühle sitzt Mierek, schaut sehr zufrieden auf die Neiße, auf Zgorcelec am anderen Ufer, manchmal auch hoch auf Görlitz, zusammen hatten Görlitz und Zgorcelec Europas Kulturhauptstadt 2010 werden wollen. So wie Görlitz schon rausgeputzt ist, hätte das auch gepasst. In Zgorcelec hatten wir Mierek getroffen, etwas über 50, grau, freundlich, Mierek schloss gerade sein Geschäft für Elektrowaren. Wenn’s stimmt, was er erzählt, waren die Deutschen in den vergangenen Wochen in Busladungsstärke herübergekommen und hatten in Polen eingekauft. Tun sie ja gerne, die Deutschen. Von Fußball war in Zgorcelec nicht viel zu sehen, na ja, 0:2 gegen Ekuador zum Auftakt ist ja auch nicht so witzig und kein Grund, Fahnen aus dem Fenster zu hängen. Und wahrscheinlich wissen sie in Zgorcelec auch nicht, dass der deutsche Star Michael Ballack drüben in Görlitz geboren wurde und aufwuchs.

Mierek aber findet die WM toll. Genauer gesagt fand er sie toll, für ihn ist sie schon gelaufen, „habe ich Beamer verkauft“, sagt er, „Ihr Deutschen wollt immer nur Beamer.“ Angeblich hat er in der letzten Woche vor dem WM-Beginn 43 dieser Kästen verkauft, mit denen man das Fernsehprogramm in Kinogröße an die Wand werfen kann, „billig, 250 Euro, willst du Beamer?“ Nein, keinen Beamer, aber wenn die Marge stimmt, und bei der Menge von Elektroständen allein in Zgorcelec, und dort ist nicht der einzige Polenmarkt, wenn man das also alles hochrechnet, dann geht in deutschen Privathaushalten der Trend eindeutig zum Zweitbeamer.

„Diesmal ist kein Regen“, sagt Mierek, damals, 1974, als die Bundesrepublik gegen die Polen in Frankfurt spielte, war Regen, so viel Regen, dass der Ball nicht rollen konnte, sondern im Wasser hängen blieb. „Hätten wir gewonnen“, sagt Mierek, „waren wir viel schneller, Lato, Gadocha, das waren noch Spieler.“ Mag sein, dass sie besser gewesen wären, die Polen auf trockenem Geläuf, damals hätten sie eben über Wasser laufen können müssen, aber da war das polnische Verhältnis zum Papst noch nicht so intensiv. „Jetzt habt Ihr den Papst“, sagt Mierek.

Oben auf dem alten Markt von Görlitz ist es ruhig. Aus einem Café dröhnt ein Beamer. Ein ältere Herr flaniert, schaut sich die schönen Fassaden an. Eine junge Frau bleibt stehen, „sie sind doch Dieter Hildebrandt, oder?“ „Ja,“ sagte der Kabarettist freundlich, „macht doch nichts.“ Er tritt am Abend in Görlitz auf. Der Fußball schafft schon erstaunliche Begegnungen. Mal sehen, wen wir in Rotenburg treffen, wo morgen die Reise hingeht.

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