Zeitung Heute : „Wir haben noch Nachholbedarf“ Der neue JU-Vorsitzende

über die Erneuerung der CDU

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Herr Mißfelder, wie geht’s der CDU?

Der CDU geht’s gut, glaube ich. Aber trotz guter Umfragewerte sollten wir uns nicht in Sicherheit wiegen. RotGrün steht sicherlich schlecht da. Aber Umfragen, das hat die letzte Wahl gezeigt, sind keine Wahlsiege.

Warum hat die Union die Wahl verloren?

Das ist eine Frage, die man nicht so einfach beantworten kann. Das muss analysiert werden, und das fordere ich auch von meiner Partei. Wir müssen ehrlich ergründen, warum wir zwei Bundestagswahlen nacheinander verloren haben. Wenn wir das nicht machen, verspielen wir Chancen, die man nur in der Opposition hat.

Muss die Partei mehr auf die Jüngeren hören?

Das ist ein grundsätzliches Problem der Politik in Deutschland. Ich glaube, dass die Politik sehr weit von meiner Generation, also den unter 25-Jährigen, entfernt ist und gar nicht weiß, welche Themen, Sorgen und Probleme bei diesen Menschen eine Rolle spielen. Das gilt natürlich auch für die CDU.

Welche Chancen sehen Sie für sich persönlich, sich in die Erneuerung einzumischen?

Das ist immer schwierig. Junge Menschen haben kaum Einfluss auf die Politik. Ich kann zwar als Mitglied des Bundesvorstandes und Bundesvorsitzender der Jungen Union das eine oder andere Thema artikulieren. Aber richtigen Einfluss hat man als junger Mensch in der Politik nicht.

Ist Angela Merkel die Verkörperung der Erneuerung?

Ich glaube schon. Der Kurs von Frau Merkel ist richtig. Sie darf jetzt nur nicht stehen bleiben. Sie muss konsequent an der Erneuerung weiterarbeiten. Auch wenn es manchmal weh tut. Da müssen wir durch.

Wie groß sind die Widerstände?

Auf der Bundesebene gibt es keinen Streit über die Richtung. Das ist auch gut so. Es gibt natürlich Beharrungskräfte bei einigen Mitgliedern. Beispiel Familienpolitik: Wir haben uns im Wahlkampf bemüht, das Familiengeld und die Wahlfreiheit für junge Frauen herauszustellen. Viele unserer Mitglieder haben das aber nicht verinnerlicht gehabt und damit unser Bundesprogramm konterkariert. Da haben wir noch Nachholbedarf.

Glauben Sie, dass die jungen Menschen in der CDU grundsätzlich anders denken als die Jungen in der SPD oder bei den Grünen?

Nein, das glaube ich nicht. Besonders bei den Grünen stelle ich viele Gemeinsamkeiten fest. Gerade wenn es um die Generationengerechtigkeit geht, haben wir alle das Ziel, dass nicht unsere Generation alles bezahlen soll. Da sind wir Jüngeren näher beieinander als unsere Mutterparteien.

Ist dann zu befürchten, dass mit dem steigenden Einfluss der Jüngeren sich die Parteien noch mehr ähneln werden?

Die CDU muss ganz klar noch eine Alternative zu Rot-Grün sein. Wir müssen auch ein Gesellschaftsbild entwickeln, das als Gegenentwurf zum rot-grünen Modell taugt. Das haben wir noch nicht. Die Unterschiede werden deutlich bleiben.

Auf einer Skala von eins bis zehn: Wie weit hat sich die CDU schon erneuert?

Bis zwei.

Das Gespräch führte Lutz Haverkamp.

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