Zeitung Heute : Wir Knochenjäger

Der Tagesspiegel

Bald kommen die Osterferien, und halb Deutschland geht wieder auf Reisen. Wir konsumieren freundlichere Klimazonen und suchen unter der Obhut unserer Reiseleiter nach dem Abenteuer. Wer es richtig machen will, bringt von der Reise ein Souvenir mit nach Hause. Die Jagd nach Trophäen, so erzählt Rüdiger Heimlich in seinem schönen Feature „Souvenirs“, war nämlich schon bei unseren prähistorischen Vorfahren beliebt. Erst der Knochen des Mammuts vorm Höhleneingang bewies, dass man wirklich bei der großen Hatz dabei gewesen war. Autor Heimlich hat professionelle Reisende nach ihrem Verhältnis zum Souvenir gefragt. Was bringt sich beispielsweise der Globalsamariter Rupert Neudeck aus der Fremde mit? Und wie hält es ein Archäologe und Spezialist für große Ausgrabungen mit kleinen Erinnerungsstücken? Eine Managerin im Reisebusiness berichtet von den exotischen Shoppingabenteuern ihrer Kunden, und eine Ethnologin erklärt uns die geheime Symbolsprache der Souvenirs. Wer jetzt in der Fremde einem fliegenden Händler auf den Leim geht, weiß wenigstens warum (Deutschlandfunk, 15. März, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

Manch einer reist in die Ferne, um der Schwermut im eigenen Kopf zu entkommen. Dabei ist es gar nicht ratsam, bei einem Anfall von Traurigkeit sofort den nächsten Flughafen aufzusuchen. Dass Schwermut existenziellen Sinn und ästhetische Größe haben kann, darüber reflektiert ein Essay von Romano Guardini. Als katholischer Theologe kannte Guardini all die betrüblichen Lebenstatsachen, die sich aus der Erbsünde ergeben. Aber wir sind unseren Traurigkeiten gar nicht wehrlos ausgeliefert. Wir können sie als geistige Bereicherung erkennen. „Vom Sinn der Schwermut“ heißt Guardinis essayistische Ermunterung dazu (SWR 2, 11. März, 21 Uhr, Kabel UKW 107,85 MHz).

Die Schwermut des Herzens quält bekanntlich all jene, die unglücklich lieben. Im Judith Kuckarts Hörspiel „Melancholie oder Die zwei Schwestern“ erleben wir gleich drei Figuren, die Opfer amouröser Wirren werden. Zwei Schwestern lieben einen Mann. Der Mann heißt Wladimir Majakowski und ist ein berühmter Dichter. Und weil wir im Rußland des frühen 20. Jahrhunderts sind, gibt es zur ménage à trois noch eine Revolution dazu. Die Revolution scheint zunächst glücklich, aber dann scheitert sie furchtbar. Der Liebe der Schwestern zum Dichter ergeht es nicht anders. Nun regiert die Schwermut. Was zumindest für die Gewinnung dramatischer Effekte äußerst sinnvoll ist (Radio Kultur, 15. März, 21 Uhr, UKW 92,4 MHz).

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar