Zeitung Heute : „Wir können keine Mauer um die Insel ziehen“

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Vor drei Monaten verwüstete der Tsunami Südasien. Herr Minister, wie bewerten Sie die deutsche Hilfe für Ihr Land, also für Sri Lanka?

Die Hilfe aus Deutschland war und ist überwältigend. Außenminister Joschka Fischer hat sich für den Abbau von Handelsbarrieren und für das Streichen von Schulden eingesetzt. Es gab finanzielle Hilfe. Die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit macht hier einen sehr guten Job beim Wiederaufbau. Auch die individuelle Hilfe war sehr eindrucksvoll, so blieb zum Beispiel ExKanzler Helmut Kohl, der hier damals Urlaub machte, im Land, um Opfern zu helfen.

Unterstützt Sri Lanka deshalb Deutschlands Streben nach einem ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat?

Wir unterstützten Berlin in den UN schon lange vor dem Tsunami.

Haben sich die UN bei der Organisation der Hilfe bewährt?

Es ist noch zu früh, um das abschließend zu beurteilen. Die UN sind aber eher bürokratisch, ich weiß auch nicht, was der UN-Sondergesandte Bill Clinton genau macht. Wir haben den Eindruck, dass private Organisationen wie das Rote Kreuz schneller handeln als die UN.

Wird die finanzielle Hilfe für die Tsunami-Region versiegen, jetzt da die Katastrophe aus den Medien und dem Bewusstsein verschwindet?

Diese Gefahr besteht. In Afghanistan versiegte die Hilfe nach dem Sturz der Taliban ziemlich schnell. Wir hoffen, dass alle Geberländer zu ihren Zusagen stehen.

Wie schützen Sie ihr Land vor möglichen neuen Flutwellen?

Der Tsunami war die größte Naturkatastrophe, die unser Land in 2000 Jahren heimgesucht hat. Wir waren in keiner Weise vorbereitet. Jetzt bewegen wir die Menschen, nicht mehr am Strand zu siedeln. Im Osten der Insel sollen sie mindestens 200 Meter vom Wasser entfernt leben. Im Westen sollen es 100 Meter sein. Es ist aber schwierig, die Fischer zu überzeugen. Die leben schließlich vom Meer.

Reichen solche Umsiedlungsaktionen aus?

Ein totaler Schutz ist nicht möglich, wir können ja keine Mauer um unsere Insel ziehen. Wir stabilisieren jetzt die Ufer mit Mangrovenbäumen. Zudem arbeiten unsere Wissenschaftler daran, neue Techniken zum Schutz der Menschen zu finden.

Wie weit ist das Frühwarnsystem?

Ich weiß nicht, wann ein eigenes System für den Indischen Ozean stehen wird. Vielleicht in einem Jahr. Jetzt aber helfen uns die Japaner, die wollen uns im Falle eines weiteren Bebens über ihre Einrichtungen warnen. Dann müssen wir die Warnungen schnell an die Menschen in Sri Lanka weitergeben.

Lakshman Kadirgamar ist Außenminister Sri Lankas.

Das Gespräch führte Jan Dirk Herbermann.

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