Zeitung Heute : „Wir müssen Geschichte schreiben“

Barack Obama sprichtin Berlin – 50 Jahrenach John F. Kennedy Der US-Präsidentkündigt eine Initiativezu atomarer Abrüstung an4500 Gästetrotzen der Hitzeam Brandenburger Tor.

An historischem Ort. US-Präsident Barack Obama spricht am Mittwoch auf dem Pariser Platz an der Ostseite des Brandenburger Tors. Foto: Michael Kappeler/dpa
An historischem Ort. US-Präsident Barack Obama spricht am Mittwoch auf dem Pariser Platz an der Ostseite des Brandenburger Tors....Foto: dpa

Berlin - US-Präsident Barack Obama hat bei seinem Besuch in Berlin Anstrengungen des Westens zur Durchsetzung großer Menschheitsideale gefordert. Ein Vierteljahrhundert nach dem Fall der Mauer sagte Obama in seiner Rede vor dem Brandenburger Tor, in der deutschen Hauptstadt hätten Offenheit, Toleranz und Frieden gesiegt. „Der Kampf um Freiheit, Sicherheit und Menschenwürde geht weiter“, erklärte er. Nötig sei dafür „der gleiche Kampfgeist, der Berlin vor einem halben Jahrhundert ausgezeichnet hat“.

Der Präsident kündigte eine weitere Abrüstungsinitiative an. Die Sicherheit Amerikas und seiner Partner sei weiterhin gewährleistet, „wenn wir unsere strategischen Atomwaffen um bis zu einem Drittel verringern“, sagte Obama. Mit den Nato-Partnern wolle er sich auch um eine Abrüstung der taktischen Atomwaffen der USA und Russlands bemühen. Der US-Präsident hatte 2009 in Prag die weltweite Abschaffung der Atomwaffen zu seinem Ziel erklärt und dafür im gleichen Jahr den Friedensnobelpreis erhalten. Dieses Ziel müsse verfolgt werden, „ungeachtet, wie weit sich dieser Traum in der Zukunft befinden mag“, sagte Obama. „Solange es Atomwaffen gibt, sind wir nicht wirklich sicher.“

Bei brütender Hitze erinnerte Obama vor 4500 geladenen Gästen auf dem Pariser Platz an die Berliner Rede seines Vorgängers John F. Kennedy vor fast genau 50 Jahren. Dieser habe nicht nur „Ich bin ein Berliner“ gesagt, sondern seine Zuhörer auch dazu aufgefordert, den Blick zu heben und für Frieden mit Gerechtigkeit für die gesamte Menschheit zu arbeiten. Obama würdigte den Freiheitswillen der Menschen in der DDR und anderer kommunistischer Diktaturen vor mehr als 20 Jahren. Die Überwindung der deutschen Teilung zeige, dass keine Mauer dem Drang nach Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit standhalten könne. „Diese Mauer ist nun eine Sache der Geschichte“, meinte er. „Aber wir müssen ebenfalls Geschichte schreiben.“ Die USA und ihre Verbündeten hätten „eine moralische Verpflichtung und ein großes Interesse daran, die verarmten Regionen dieser Welt zu unterstützen“. Obamas Rede wurde immer wieder von Beifall unterbrochen.

Der Auftritt Obamas vor dem Brandenburger Tor war der Höhepunkt des Präsidentenbesuchs. Am Vormittag war er von Bundespräsident Joachim Gauck mit militärischen Ehren vor Schloss Bellevue empfangen worden. Anschließend traf er mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in deren Amtssitz zusammen. Obama sprach bei auch strittige Themen wie das US-Daten- Ausspähprogramm, den Einsatz bewaffneter Drohnen und das Gefangenenlager Guantanamo an. Er suchte deutsche Befürchtungen zu entkräften: „Ich kann bekräftigen, dass wir Deutschland nicht als Ausgangspunkt für unbemannte Drohnen verwenden.“ Vor seiner Rede begrüßte Merkel den Gast mit den Worten „Ich heiße dich willkommen bei Freunden“.

Merkel sprach das kontroverse Thema Datenausspähung an. Auf der Pressekonferenz mit Obama sagte sie, dass im Bemühen um die Abwehr von Terrorismus „bei aller Notwendigkeit das Thema der Verhältnismäßigkeit“ wichtig sei. Obama bemühte sich, die Bedenken zu zerstreuen. Der Inhalt der Kommunikation werde nicht abgefragt, es gehe um die Überprüfung von Kontakten, zudem müssten Richter die Überwachung genehmigen. „Man hat durch diese Programme Leben gerettet“, sagte er. Den Abschluss des Besuchs, bei dem Obama von seiner Familie begleitet wurde, bildete am Abend ein Gala-Dinner im Schloss Charlottenburg. Um 22.11 Uhr hob die Präsidentenmaschine „Air Force One“ vom Flughafen Tegel ab.

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