Zeitung Heute : Wir müssen weiter auf der Welle reiten

Marcel Reif blickt täglich auf die Spiele voraus

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Alles ist gut, Euphorie macht glücklich. Euphorie macht natürlich auch blind und ist ganz nah beim Katzenjammer angesiedelt. Aber soll man mäkeln, weil die deutsche Mannschaft erreicht hat, was ihre absolute Pflicht war? Nein, alles ist gut. Und nun können wir ja vor dem Spiel gegen Ekuador ein wenig rechnen, nicht wahr? Nein, nein nein, das genau können wir nicht. Für weitere Überlegungen, ist England oder Schweden leichter für uns, ist es nicht besser Gruppenzweiter zu werden, weil dann im Viertelfinale eben nicht Argentinien warten könnte – für solche Überlegungen ist die deutsche Mannschaft lange noch nicht gut genug. Zumal noch nicht einmal feststeht, ob England und Schweden weiterkommen.

Es kann nur weitergehen, immer weitergehen. Änderungen in der Aufstellung? Ja, wenn sie Sinn machen und der Verstärkung dienen. Nein, wenn sie als Test gedacht sind, weil das Ergebnis ohnehin marginal ist. Wir haben diese Euphorie, wir haben diese explodierende Freude, aber auch wenn sie so lautstark daherkommt, sie ist äußerst fragil. Eine Niederlage gegen Ekuador soll keine Auswirkungen haben? Oh, die dürfte erheblich aufs Gemüt drücken, weil sie den Blick freigibt auf die ja nicht grundlosen Zweifel an der Leistungsfähigkeit der deutschen Mannschaft. Der Maßstab des Leistungsstandes ist nicht die Vorrunde. Die Spielstärke ist auf die Schnelle nicht zu verbessern, was zu erhalten ist, ist der Elan. Sowohl der interne im deutschen Kader, als auch der externe im Land. Ein Sieg gegen Ekuador muss her, der sollte möglich sein. Welcher Gegner dann kommt, ist egal. Ein Sieg aber hält die Welle am Rollen. Taktische, rechnerische Spielereien sind vermessen. Wir haben nur diese Welle, auf der müssen wir surfen. Wahrscheinlich ist es jetzt ein Glücksfall, dass Klinsmann in Kalifornien Domizil hat. Wie Wellenreiten geht, hat er dort gelernt.

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