Zeitung Heute : Wir sind dann mal weg

Die FHW bietet mit ihren 70 Partnerhochschulen ein Auslandsstudium an – weltweit und gebührenfrei

Angelika Friedl

Wer sich an der Fachhochschule für Wirtschaft (FHW) einschreibt, bucht eine Reise um die Welt. Denn die FHW unterhält mittlerweile 70 Partnerschaften mit Hochschulen im Ausland. Die Berliner Wirtschaftsstudenten profitieren von zweisprachigen Doppeldiplomen, gemeinsamen Lehrplänen, weltweiten Studienbesuchen und Exkursionen. „Bis wir diese vielen Partnerschaften aufgebaut hatten, dauerte es eine Weile“, meint Professor Gerd Bruche, Dekan des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften und Prorektor der FHW.

Ein komplettes Studienjahr im Ausland ist unter den Studierenden beliebt: 300 Fachhochschüler packen jährlich ihre Koffer. Sie können wählen zwischen exotischen Ländern wie Hawaii, Finnland oder Chile, aber auch in europäischen Städten wie Athen oder Lyon ihre Austauschsemester verbringen. Innerhalb Europas pflegt die FHW mit rund 40 Parterhochschulen den intensivsten Austausch. Der größte Vorteil der Kooperationsverträge ist der Wegfall von Studiengebühren im Ausland. Angesichts hoher Kosten an manchen Universitäten schützt diese Regel viele reiselustige Studenten vor der Kreditfalle. Ein weiterer Vorteil der Partnerschaften: Die Kurse und Prüfungen, die Studenten im Ausland gemacht haben, werden auch in Berlin anerkannt.

Doch der Austausch mit ausländischen Hochschulen ist keine Einbahnstraße: Jährlich kommen etwa 300 Studenten aus dem Ausland an die FHW. Viele von ihnen besuchen die Internationale Sommerschule, die jedes Jahr im August stattfindet. Die Gaststudenten lernen in dieser Zeit nicht nur Management- und Finanztheorien kennen, sondern auch Berlin. Zum Programm der Sommerakademie gehören gemeinsame Kino- und Theaterabende, Stadtführungen und Museumsbesuche. Wer nicht Deutsch spricht, kann trotzdem teilnehmen: Viele Kurse finden auf Englisch statt.

Das gilt auch für die internationalen Studiengänge an der FHW, die während der Vorlesungszeit von Austauschstudenten bevorzugt werden. „Wir haben im Moment zwei Bachelor- und zwei Masterstudiengänge in englischer Sprache“, sagt Gerd Bruche. Einer davon ist der Bachelorstudiengang „International Business“, der in Zusammenarbeit mit der britischen Anglia Ruskin University in Cambridge entworfen wurde. Während des vierjährigen Vollzeitstudiums „International Business Management“ findet der Unterricht in Englisch und einer zweiten Fremdsprache statt. Zur Auswahl stehen Spanisch, Französisch, Russisch oder Chinesisch. An diesem Studium mit dem Abschluss Bachelor of Arts sind gleich mehrere Partnerhochschulen im Ausland beteiligt.

In den USA lief die Suche nach solchen Kooperationen jahrelang schleppend. „Wir mussten immer erklären, dass deutsche Fachhochschulen nicht mit amerikanischen Community Colleges zu vergleichen sind, die schon nach zwei Jahren zum Abschluss führen“, sagt Dekan Gerd Bruche. Die FHW ging in die Aufklärungsoffensive und gründete zusammen mit sechs anderen deutschen Hochschulen ein Bündnis, um gemeinsam die Präsenz an amerikanischen Hochschulen zu stärken.

Die Bündnispartner stellten gemeinsame Anträge für Forschungskooperationen – und setzten kürzlich sogar durch, dass Austauschstudenten gebührenfrei an US-Hochschulen studieren dürfen. Die wichtigsten Kooperationspartner sind derzeit die Drexel Universität in Pennsylvania und die Universität in Pittsburgh. „Vergangenes Semester sind 20 Studierende aus den USA gekommen. Im Gegenzug reisen zum Sommersemester 16 FHW-Studenten dorthin“, sagt die Austauschexpertin Ingrid Sperber. Ihr Ziel für die nächsten Jahre ist es, das Austauschprogramm bekannt zu machen und immer mehr Studenten in die Staaten zu schicken.

Anstrengungen unternimmt die FHW auch in Ostasien. Dort besteht seit einigen Jahren ein Netzwerk mit Hochschulen in Südkorea, Hongkong, Japan, Singapur und China. Indien ist derzeit noch ein weißer Fleck auf der FHW-Landkarte – dorthin möchten die Hochschullehrer unbedingt Kontakte knüpfen. Gerd Bruche und Ingrid Sperber waren vor kurzem dort, verhandelten bereits mit fünf Hochschulen. Gestärkt werden sie durch Fördermittel aus dem Wissenschaftsprogramm des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes (DAAD). Wann es soweit sein wird und die ersten FHW-Studenten auf Indienreise gehen, ist derzeit noch ungewiss.

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