Zeitung Heute : Wir sind nicht allein

Die Wahrscheinlichkeit, außerirdisches Leben zu finden, steigt

Dagny Lüdemann

„Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten.“ Anhand der Anfangsbuchstaben dieser Eselsbrücke kann man sich Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto merken. Bis vor elf Jahren hatte die Merkformel absolute Gültigkeit. Dann entdeckten Astronomen drei Planeten außerhalb unseres Sonnensystems (Exoplaneten), die um einen Pulsar kreisten – also um einen massereichen Stern im Endstadium. Drei Jahre später fanden Michel Mayor und Didier Queloz vom Observatorium in Genf den ersten Exoplaneten in der Nähe einer Sonne (dem Stern Pegasus), die unserer ähnlich ist.

Jetzt entdeckten Astrophysiker von der Landessternwarte Tautenburg in Thüringen „HD 13189 b“. Der Planet umrundet den Stern „HD 13189“ alle 472 Tage und ist mindestens acht, vielleicht aber auch 20 Mal so groß wie Jupiter. Heute müsste man statt eines Satzes eine ganze Kurzgeschichte als Eselsbrücke auswendig lernen, um die über 150 Planeten aufzählen zu können, die inzwischen im Universum aufgespürt wurden. Wissenschaftler glauben, dass nur auf Planeten Bedingungen herrschen, unter denen Leben existieren kann. Deshalb steigt die Wahrscheinlichkeit, fremde Wesen zu finden, mit jedem entdeckten Exoplaneten.

Wie wahrscheinlich es ist, dass wir sogar auf intelligente Zivilisationen im Universum treffen, kann man ausrechnen, seitdem Frank Drake Ende der fünfziger Jahre seine berühmte Formel entwickelte. Der Astronom begründete vor 45 Jahren das „Seti“-Projekt (Search for Extraterrestial Intelligence). Seither versuchen Wissenschaftler durch Radiosignale Kontakt mit Außerirdischen aufzunehmen. Bislang ohne Erfolg. Doch das könnte sich bald ändern, meint Seti- Chefastronom Seth Shostak. „Innerhalb der nächsten 20 Jahre werden wir Kontakt zu zivilisierten Außerirdischen haben“, verkündete er im letzten Sommer, nachdem er neue Erkenntnisse in die Drake-Formel eingerechnet hatte.

Bis dahin begnügen sich die Forscher mit kleineren Organismen. „Inzwischen glaubt die Mehrheit der Experten an einzellige Wesen außerhalb unseres Sonnensystems“, sagt Eike Guenther, Astrophysiker an der Sternwarte Tautenburg und Mitentdecker von HD 13189 b. Auch auf Erden gibt es schließlich Leben unter extremen Bedingungen: Eingeschlossen im Eis oder an heißen Quellen am Grund der Tiefsee wurden Mikroben entdeckt. „Wenn Einzeller unter solchen Extrembedingungen leben können, gibt es sie vermutlich auch auf anderen Planeten“, sagt Guenther.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, DLR, bietet zur Langen Nacht der Wissenschaften Vorträge für Kinder und Erwachsene zu Exoplaneten und Außerirdischen an.

DLR, Rutherfordstraße 2, Berlin-Adlershof, Seminarraum, ab 18 Uhr 30.

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