Zeitung Heute : "Wir sind Träger der Bombe, aber auch Opfer" - Microsoft wehrt sich gegen Vorwurf der Fahrlässigkeit

Torsten Hampel

"Funny News" und "Joke" - der Computervirus "I love you" hat Gesellschaft bekommen. Während sich die Verbreitung von "I love you" offenbar deutlich verlangsamt hat, landen inzwischen zwei weitere Varianten auf den Servern zahlreicher Internetbenutzer. Mit verhängnisvollen Folgen.

"Joke" hat eine angehängte Datei mit der Bezeichnung "Very Funny". Wenn diese geöffnet wird, werden verschiedene Arten von Dateien, darunter auch Bild-, Musik- und Videodateien, vernichtet.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat unterdessen bessere Betriebssysteme und Anwendungsprogramme gefordert. Auch müssten Anwender stärker für ein solches Problem sensibilisiert werden. Microsoft sollte endlich etwas gegen Schwächen seines Betriebssystems Windows sowie seines Mailprogramms Outlook machen, forderte der beim Bundesamt für Viren-Abwehr zuständige Experte Frank Felzmann. Microsoft-Sprecher Bernhard Grander entgegnete, Windows und Outlook seien nur deshalb als Angriffsziele gewählt worden, weil sie die populärsten Programme auf dem Markt seien. "Wir sind zwar der Träger dieser Bombe", sagte Grander, "aber wir sind auch Opfer wie alle anderen". Der Virus hätte im Prinzip auch für andere Programme geschrieben werden können. Microsoft selbst war am Donnerstag gegen 10 Uhr von "I love you" heimgesucht worden. Eine interne Warnung hat aber das Schlimmste verhindert. Gegen 15 Uhr wurden die betroffenen Mailserver wieder angeschaltet.

BSI-Experte Felzmann betonte, ein solcher Virus-Überfall könne jeden Tag passieren. "Es ist eine Schwäche des Internets, dass zu wenig Wert auf Sicherheit gelegt wurde und zu viel auf Verfügbarkeit", sagte Felzmann. Genau das sei auch für die Entwicklung der Microsoft-Programme die "Gretchenfrage", so Grander. "Einerseits wollen wir Benutzerfreundlichkeit und automatisierte Abläufe, andererseits ist genau das kriminell missbrauchbar." Felzmann befürchtet, dass die nächste Viren-Welle dann zuschlagen werde, "sobald das Sicherheitsbewusstsein wieder abgeflaut ist". In Fachkreisen ist seit längerem eine neue Attacke erwartet worden. Gegen unbekannte Viren helfe zunächst ziemlich wenig. Angesichts der explosionsartigen Verbreitung sei man auch relativ hilflos. "Die Dinger zu erkennen, wird wohl ewig ein Problem bleiben", sagt Grander.

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