Zeitung Heute : Wir sitzen alle in einem Boot

Der Tagesspiegel

Die Welt ist so voller schlechter Nachrichten, da ist man froh über jede gute. Das ist eine: dass Zivilcourage und Mitmenschlichkeit nicht nur gesehen, sondern auch gewürdigt werden. So geschehen im Fall des Kapitäns der „Tampa“; der Norweger Arne Rinnan wurde jetzt von den UN mit dem Nansen-Preis ausgezeichnet. Der Kapitän des Frachters hatte im August vergangenen Jahres 433 zumeist aus Afghanistan stammende Bootsflüchtlinge von einem indonesischen Schiff gerettet. Aber nicht nur das: Als die Regierung in Australien die Asylbewerber nicht an Land gehen lassen wollte, ließ sich Rinnan erstens nicht einschüchtern, sondern suchte die Öffentlichkeit, ruhig im Ton, aber klar in seinen Forderungen. Zweitens sorgten er und seine Schiffseigner mit dafür, dass die gestrandeten Flüchtlinge zunächst bis Nauru kamen. Rinnan habe Mut und einzigartiges Pflichtgefühl bewiesen, erklärte das UN-Flüchtlingskommissariat. Das mit dem einzigartigen wollen wir nun nicht hoffen, sondern vielmehr darauf setzen, dass der Kapitän vielen zum Vorbild wird. Seine Ehrung für diese Form der Hilfe und Parteinahme setzt einen Akzent gerade in einer Zeit, in der in Deutschland zwischen den Parteien aufs Neue darüber debattiert wird, wie offen oder wie geschlossen unsere Gesellschaft in Zukunft für sein soll. Wie willkommen uns Fremde sind, ob Einwanderer, Flüchtlinge oder Asylbewerber. Kapitän Rinnan und die Rettung der Afghanen hat daran erinnert: Menschlichkeit ist Pflicht. Und erfordert manchmal Mut. Auch politischen. cas

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