Zeitung Heute : „Wir sollten alle Hamas-Anführer töten“

Seit zwanzig Jahren erforscht der Historiker Benny Morris die Geschichte der Palästinenser – und hat sich damit in Israel viele Feinde gemacht. Jetzt plädiert er für kompromisslose Härte.

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Nach der Gewalt der letzten Tage, bedeutet dies das Ende der Road Map?

Was die Erfolgsaussichten der Road Map angeht, bin ich nicht besonders optimistisch. Für jede Form von Friedensverhandlungen, die später stattfinden sollen, gibt es eine zentrale Voraussetzung: Der palästinensische Terror muss aufhören. Solange Hamas und Islamischer Dschihad Waffen und Bomben haben, können sie Verhandlungen jederzeit stören und es wird keinen Frieden geben.

Was muss geschehen?

Wer Frieden will, muss gegen die Terroristen vorgehen und zwar mit aller Gewalt.

Kann der neue palästinensische Premierminister Mahmud Abbas den Terror seiner Landsleute eindämmen und kontrollieren?

Man kann diese Gewalttäter nicht kontrollieren, man muss ihre Führer verhaften, die Aktivistenzellen zerstören und ihre Waffen konfiszieren. Das Gerede über einen Waffenstillstand ist Quatsch. Diese Leute wollen Israel zerstören, das hat der HamasSprecher Rantisi jetzt gerade wieder auf dem Krankenbett gesagt. Man muss diese Leute zerstören, sonst gibt es keinen Frieden.

Was meinen Sie mit zerstören? Heißt das auch, Hamas-Führer durch Raketen zu töten?

Die Mittel sind ganz egal. Ich würde noch viel härter zuschlagen. Ich bin der Meinung, wir sollten nicht nur Rantisi töten, sondern auch Scheich Jassin, den geistlichen Führer der Hamas, und alle anderen radikalen Anführer. Wir müssen denen klar machen, wer immer Hamas führen will, ist ein toter Mann.

Aber Sie können nicht erwarten, dass die palästinensische Führung nun beginnt, die Hamas-Führer zu liquidieren?

Wenn die es nicht machen, dann machen wir es. Sonst gibt es keine Verhandlungen. Wenn die Palästinenser einen Staat wollen, müssen sie ihre Radikalen unterdrücken. Meiner Meinung nach sind die Palästinenser noch nicht gestraft genug, so dass sie endlich aufwachen. Sie jammern jeden Tag herum. Sie müssen einen noch viel höheren Preis zahlen, damit sie endlich kapieren, dass Terrorismus gegen ihr Interesse ist.

Ist die gegenwärtige Rolle der USA ausreichend?

Washington hat den Palästinensern noch nicht klar genug gemacht, dass sie den Terrorismus unterdrücken müssen. Die Palästinenser müssen wissen, dass sie sonst keinen eigenen Staat bekommen.

Die israelische Seite soll in der ersten Phase der Road Map den Ausbau der Siedlungen stoppen. Ist Ministerpräsident Scharon willens und fähig, das zu tun?

Er hat damit begonnen, Kleinsiedlungen abzubauen, um Präsident Bush entgegenzukommen. Aber alles das ist so lange ohne Bedeutung, wie der Terrorismus weitergeht. Natürlich leisten die Siedler Widerstand, aber dies ist eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem Terrorismusproblem. Die großen Siedlungen werden sowieso erst dann abgebaut, wenn es einen Friedensvertrag gibt. Und den wird es nicht geben, solange der Terror nicht aufhört.

Das Gespräch führte Martin Gehlen.

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