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Werbetexter, Piloten, Tänzerinnen: Firmen unterschiedlichster Branchen suchen noch Mitarbeiter

Oliver Trenkamp

Der Himmel ist noch grau, der Schnee schon matschig – der Februar ist ein trister Monat. Während die Außentemperatur auf Tiefststände fällt, erklimmt die Zahl der Arbeitslosen Höhen, die sie das ganze Jahr über nicht wieder erreicht. Doch in manchen Teilen des Berliner Arbeitsmarktes geht gerade die Sonne auf: Zahlreiche Firmen suchen Mitarbeiter, vor allem Hochqualifizierte haben eine Chance. Ein Streifzug durch Personalabteilungen von Berliner Unternehmen, in denen der Frühling schon begonnen hat.

DIENSTLEISTER

Besonders die Werbebranche ist auf der Suche nach kreativem Nachwuchs. Laut Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammer Berlin plant die Hälfte aller Werbeagenturen, in den nächsten Monaten neue Leute einzustellen. Genaue Zahlen gibt es allerdings nicht, der Bedarf bei den meisten Agenturen schwankt je nach Auftragslage. Der Vorteil: In der Werbung haben auch Quereinsteiger ohne klassische Ausbildung eine Chance. „Bei uns gibt es nicht die eine feste Stelle“, sagt Tobias Bott von Berlins größter Werbeagentur Scholz & Friends. „Wir suchen immer kreative Leute.“ Bewerber können ihre Kreativität im Internet beweisen, auf der Seite der Agentur findet sich ein „Werbetextertest“, der Bewerber dazu auffordert, eine Trendsportart zu erfinden.

Mehr als 15 neue Stellen plant die PR-Agentur Media Consulta in nächster Zeit. „Wir suchen insbesondere erfahrene Kommunikationsberater und Kreativ-Profis bis hin zu Eventmanagern und Programmierern“, sagt der Agenturchef Harald Zulauf. Sehr gute Englischkenntnisse seien zwingend notwendig.

Wer sich nicht an nackter Haut stört, kann in der Erlebnisgastronomie einen Job finden. Die neue Show „Belle et Fou“ in der Spielbank am Potsdamer Platz hat in den letzten Wochen 90 Stellen besetzt, von der Tänzerin bis zum Barchef, vom Marketingleiter bis zum Kellner – ein Plätze sind immer noch frei. Angst vor Peepshow-Niveau brauchen die Bewerber nicht haben, als „erotisches Theater auf höchstem Niveau“ beschreibt Spielbank-Chef Günter Münstermann sein Konzept. So müssten alle Tänzerinnen eine klassische Ballettausbildung vorweisen können. Und man sehe auch nur „ein wenig topless.“ Sein frisch eingestellter Barchef Erik Schütze jedenfalls sagt, er sei ganz begeistert. Der 35-Jährige arbeitete früher bei „Pump Duck and Circumstance“ und hat sich ganz klassisch beworben. Ab Mitte März kümmert er sich um die beiden Bars des Hauses.

Die Firma Jamba, die Klingeltöne, Spiele und Programme fürs Handy produziert, plant in nächster Zeit etwa 35 Neueinstellungen – vor allem Vollzeitkräfte, zum Teil auch studentische Hilfskräfte und Praktikanten. Die Aufgabenpalette reicht vom Marketingmanager bis zum Programmierer oder Online-Grafiker, aber auch Mitarbeiter in der Qualitätssicherung sind begehrt. Die testen dann beispielsweise, ob Klingeltöne auch auf allen Handytypen funktionieren. Sollte es nicht sofort klappen, müssen Bewerber aber nicht gleich aufgeben. „Wir schreiben laufend neue Stellen aus und speichern aussichtsreiche Bewerbungen in einem Bewerberpool“, sagt Jamba-Sprecher Niels Genzmer.

INDUSTRIE

Auch einige große Konzerne suchen noch neue Leute, allerdings fast ausschließlich hoch qualifizierte Spezialisten. Berlin Chemie etwa hat mehrere hundert Arbeitsplätze weltweit zu besetzen. In der Stadt sind es um die 100. Siemens, größter Industrie-Arbeitgeber Berlins, sucht derzeit rund 30 neue Mitarbeiter: Ingenieure, Elektrotechniker und Informatiker haben besonders gute Chancen. Zwar schaue der Konzern erstmal intern, ob sich jemand für eine neue Aufgabe eigne, sagt Sprecherin Ilona Thede, doch können sich auch Initiativbewerbungen lohnen. Die akzeptiert das Unternehmen allerdings ausschließlich Online.

Gut ausgebildete Experten sind ebenfalls in der Bio- und Medizintechnik gefragt, eine der am stärksten wachsenden Branchen in Berlin. Die Firma Eckert & Ziegler am Forschungsstandort Berlin-Buch hat sich mit Nuklearmedizin einen Namen gemacht. Hier möchte man zwar keine konkreten Prognosen über die geplanten Neueinstellungen abgeben, aktuell sucht das Unternehmen aber Produktmanager für Medizingeräte und Mitarbeiter im Vertrieb, die langjährige Erfahrung vorweisen können. Eine Medizinnahe Ausbildung ist für die Jobs in der Branche von Vorteil, sehr gutes Englisch Pflicht.

TOURISMUS

Der Tourismus gehört zu den wenigen echten Boombranchen der Stadt. Das macht sich zurzeit vor allem beim Flugbetrieb bemerkbar. Lufthansa will die Mitarbeiterzahl von 4900 auf 5000 aufzustocken. „Wir sind kontinuierlich gewachsen, auch weil wir in Berlin auf so viele Fachkräfte mit dem nötigen technischen Knowhow gestoßen sind“, sagt Sprecher Wolfgang Weber. Der Großteil der Beschäftigten arbeitet rund um den Flugbetrieb in Tegel und Schönefeld, aber auch in der Technik, im Simulatorenzentrum oder im Call Center gibt es Arbeitsplätze. Sollte der Großflughafen Berlin Brandenburg International gebaut werden, könnten allein bei der Lufthansa 5000 neue Jobs entstehen.

Auch der Wettbewerber Air Berlin expandiert. Die Fluggesellschaft sucht 89 neue Mitarbeiter. „Vor allem suchen wir konstant Kopiloten und Flugbegleiter“, sagt Sprecherin Angelika Schwaff. Jobs für Techniker und Systemingenieure gibt es aber ebenso wie für Kundenbetreuer in den Callcentern. Auch Air Berlin ist Online-Bewerbungen gegenüber nicht abgeneigt. Hier akzeptiert man aber auch noch die klassische Papierform.

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