Zeitung Heute : Wirbel in Israel um Ratschläge an orthodoxe Juden

Der Tagesspiegel

Tel Aviv. In Israel gibt es Wirbel um Äußerungen eines Mitarbeiters des Berliner Landeskriminalamtes, Lars Sünnemann. Nach einem Bericht des Korrespondenten des israelischen Armeerundfunks, Yigal Avidan, soll er erklärt haben, man sei außerstande, „orthodoxe Juden oder Rabbiner persönlich“ zu schützen. Zugleich sei jüdischen Bürgern der Rat erteilt worden, aus Sicherheitsgründen auf sichtbare Zeichen ihrer Religionszugehörigkeit zu verzichten. Avidans Bericht führte offensichtlich zu Missverständnissen, weil bei der Übersetzung ins Hebräische übersehen wurde, dass Sünnemann sich ausschließlich des Konjunktivs bediente. So sagte Sünnemann, er selbst hätte „ein paar Verhaltensregeln, die ich kundtun könnte. Ich kann mir aber vorstellen, dass ich dadurch unsere orthodoxen Mitbürger verletzen würde in ihrem Glauben“.

Weiter sagte Sünnemann: „Personen, die auch nach außen hin manifestieren, dass sie orthodox sind, sind natürlich erkennbar. Und insofern leider nicht in allen Fällen schützbar.“ Im Konjunktiv fuhr Sünnemann fort: „Natürlich wäre es ein probates Mittel, es nicht nach außen zu zeigen.“ Sünnemann riet den Berliner Juden, „wachsam, aber nicht verängstigt zu sein, und gelegentlich die Strecke zu ändern, wenn sie zu Fuß unterwegs sind“.

Ein Sprecher der Holocaust-Gedenkstätte „Yad Vashem“ kritisierte den LKA-Mitarbeiter: Anstatt die antisemitischen Erscheinungen zu bekämpfen, glaube er, das Verstecken jüdischer Zeichen könne das Problem lösen. Charles Landsmann

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