Zeitung Heute : WIRD RUSSLAND ZYPERN HELFEN?

„Wir bleiben hier, bis wir eine Einigung erzielt haben.“ Die Verhandlungen, so Zyperns Finanzminister Michalis Sarris nach der Begegnung mit seinem russischen Amtskollegen Anton Siluanow, seien „sehr konstruktiv, gut und fair“ gewesen. Nun würden sie an einem anderen Ort fortgesetzt. Auch die Gespräche mit Vizepremier Igor Schuwalow würden weitergehen.

Schon im Februar, als sich Anzeichen für den drohenden Staatsbankrott verdichteten, war die Sonneninsel in Moskau wegen Umschuldungsverhandlungen vorstellig geworden. Russland hatte Zypern schon 2011 einen ersten Rettungskredit in Höhe von 2,5 Milliarden mit einer Laufzeit von fünf Jahren gewährt. Nikosia will die Tilgung bis 2020 strecken. Doch das ist inzwischen eher Nebensache. Denn Zypern will sich nach dem Scheitern der Parlamentsabstimmung von Moskau weitere Milliarden leihen. Eigens dazu hatte Präsident Nikos Anastasiades zu Wochenbeginn mit Amtsbruder Wladimir Putin telefoniert. Angesichts der Risiken will Putin das Darlehen zuverlässig besichern – Medienberichten zufolge mit Übernahme zyprischer Energievorkommen durch den staatsnahen Monopolisten Gazprom und durch Einstieg russischer Geldhäuser bei den Insel-Banken. Dafür spricht, dass deren Vertreter bei den Verhandlungen mit Vizepremier Schuwalow mit am Tisch saßen.

Moskau hat für den Deal gleich mehrere gute Gründe: Das Großkapital war schon in den Neunzigern in die damalige Steueroase im Mittelmeer geflüchtet, Russen gehört derzeit ein Drittel aller Einlagen dort: bis zu 70 Milliarden Euro. Bei einem Zusammenbruch der Insel-Banken wäre das Geld futsch. Und damit womöglich auch die Loyalität der Oligarchen. Aber Schutz nationaler Wirtschaftsinteressen gehört zu den Prioritäten russischer Außenpolitik.

Entsprechend nervös reagierten Kreml und Regierung denn auch auf die geplante Einmal-Steuer. Diese, so Putin, sei „ungerecht, unprofessionell und gefährlich“. Dabei schwang auch die Wut darüber mit, dass die EU sich dabei nicht mit Russland abgestimmt und die sonst in Moskau wohlgelittene Bundeskanzlerin Angela Merkel Zypern angeblich sogar untersagt habe, über die Rettung mit Partnern außerhalb der Eurozone zu verhandeln. Russland, so Finanzminister Siluanow daher schon am Montag, werde deshalb nach einer eigenen Lösung suchen.

Dabei, so kritische Experten, gehe es längst nicht mehr nur um Zypern, die Insel sei in Moskaus strategischen Planspielen nur der Testballon für eine mögliche Rettung anderer EU-Südstaaten und eigne sich allein schon deshalb bestens als Modellfall, weil die volkswirtschaftliche Gesamtleistung der Insel kaum größer sei als die einer der russischen Boom-Regionen. Bei den Verhandlungen mit Zypern soll es dem Vernehmen nach auch darum gehen, dass Russland einen Stützpunkt für seine Seekriegsflotte auf der Mittelmeerinsel bekommt. Elke Windisch

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

1 Kommentar

Neuester Kommentar