Zeitung Heute : Wirtschaftswissen neben dem Beruf nachholen

Anne Meyer
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Foto: dpa

Etwas von Wirtschaft zu verstehen, kann in keinem Berufsfeld schaden. Personalchefs verlangen sogar immer häufiger von Bewerbern ohne kaufmännische Ausbildung, etwa Juristen oder Psychologen, dass sie die Grundlagen betriebswirtschaftlichen Arbeitens kennen und verstehen. Bei ihnen werden solche Kenntnisse vorausgesetzt wie das Bedienen eines Computers. Wer die betriebswirtschaftlichen Seminare an der Uni verschlafen hat, kann sich auch neben dem Beruf weiterbilden.

Um das passende Angebot zu finden, sollte man sich zunächst darüber klar werden, was man von dem Abschluss erwartet. So brauchen sich Existenzgründer beispielsweise weniger Gedanken darüber zu machen, wie marktbekannt das Zertifikat ist, das sie zum Schluss erlangen – ganz im Gegensatz zu Wiedereinsteigern, Arbeitslosen und Angestellten.

Überall anerkannt ist in jedem Fall ein Abschluss in betriebswirtschaftlichen Grundlagen bei den Industrie- und Handelskammern (IHK). „Das Qualitätsniveau der Kammern ist allgemein gut“, so Alfred Töpper von der Stiftung Warentest. „Aber es ist natürlich auch eine Frage des Geldbeutels.“ Rund 1650 Euro muss man bei der IHK zahlen, damit man berufsbegleitend über einen Zeitraum von acht Monaten die Grundlagen von Rechtsfragen, Marketing und Personalwirtschaft, Bilanzbuchhaltung, Steuerrecht sowie Kosten- und Leistungsrechnung kennen lernt.

„Ein bisschen Berufserfahrung sollte man schon mitbringen“, empfiehlt Georg Klein, der die Weiterbildungskurse der IHK in Berlin koordiniert. „Ursprünglich war der Kurs nicht für Akademiker gedacht, sondern für Personen, die eine Lehre gemacht haben und sich nach mehreren Jahren im Betrieb weiterbilden möchten.“ Heute seien aber auch viele Ärzte, Techniker oder Ingenieure dabei, die im beruflichen Alltag plötzlich mit Verwaltung konfrontiert sind und sich das Basiswissen dafür aneignen wollen. Die Teilnehmer, die auch oft von ihren Unternehmen zur IHK geschickt werden, sollen nach acht Monaten all das wissen, was auch Inhalt einer kaufmännischen Ausbildung ist – nur ohne Spezialisierung.

Wer sich nicht gleich auf eine so lange und kostenintensive Weiterbildung einlassen mag, wird bei den Volkshochschulen fündig. Die bieten mit ihren „Xpert Business“-Zertifikaten verschiedene Module an, die man sich individuell zusammenstellen kann: Kurse in Finanzbuchführung, Kosten- und Leistungsrechnung, Finanzwirtschaft, Controlling und anderes kann man je nach Bedarf einzeln belegen. „Zu uns kommen auch totale Anfänger, die etwas von Finanzbuchführung verstehen möchten, zum Beispiel Floristinnen“, sagt Andreas Noack von der Volkshochschule Tempelhof-Schöneberg. „Aber es kommen auch viele aus dem Bürobereich, außerdem Selbstständige, Arbeitssuchende und Wiedereinsteiger.“ Ein Kurs in Finanzbuchführung findet ein Mal wöchentlich statt, dauert 14 bis 16 Wochen und kostet um die 150 Euro. Schüler, Studenten und Arbeitslose zahlen knapp die Hälfte.

Alfred Töpper von Stiftung Warentest glaubt nicht, dass ein günstiger Preis für ein niedrigeres Niveau steht: „Je teurer, umso besser – das stimmt nicht immer“, sagt der Experte. „Und wer sich nicht sicher ist und erstmal in das Thema hineinschnuppern will, für den bietet sich sowieso die Volkshochschule an.“ Schließlich sei es besser, hundert Euro in den Sand zu setzen als tausend.Anne Meyer

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