Zeitung Heute : Wissen statt leere Worte

Gute Anbieter beantworten geduldig alle Fragen. Danach geht es am besten zum Probeunterricht

Dazulernen, fortbilden, mehr erfahren – aber gerne! Nur was, wie und wo? Der Besuch einer Weiterbildungsdatenbank im Internet lässt viele erst einmal ziemlich geplättet zurück. Zu groß ist die Palette an Seminaren, Workshops, Kursen und Studiengängen. Doch es gibt ein paar Tricks, um sich einen Weg durch diesen Dschungel zu bahnen – und anschließend bei interessanten Anbietern die richtigen Fragen zu stellen.

Was brauche ich wirklich?

„Für die Orientierung ist es wichtig, zuerst den eigenen Stärken und Kompetenzen auf die Spur zu kommen“, sagt Brigitte Bosche, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) in Bonn. Gemeinsam mit anderen Bildungsexperten hat das DIE nicht nur eine Checkliste für Weiterbildungsinteressierte entwickelt, sondern auch den „Profil-Pass“, der dabei helfen soll, für jeden das passende Angebot zu finden (www.profilpass.de).

„Etwa 70 Prozent unserer Lernprozesse erfolgen informell, also außerhalb von Schule, Ausbildung oder Universität“ sagt Bosche. „Der ,Profil-Pass‘ hilft dabei, sich der so erworbenen Fähigkeiten bewusst zu werden und sie beruflich besser einzusetzen.“ Das müsse nicht zwingend zu einer Fortbildung führen. Manchmal könne eine neue Aufgabe im Betrieb die Lösung sein. Daher wird der „Profil-Pass“ mittlerweile auch von Unternehmen eingesetzt, um die Potenziale ihrer Angestellten besser zu erkennen und sinnvoller zu nutzen.

Wie gut informiert der Anbieter?

Wer nach der persönlichen Analyse Weiterbildungsbedarf hat, sollte sich bei der Suche nach dem passenden Kurs Zeit lassen – und sich nicht scheuen, Anbietern viele Fragen zu stellen. Von hohen Preisen sollte man sich dabei nicht beeindrucken lassen. „Nur weil ein Kurs viel Geld kostet, heißt das nicht unbedingt, dass er auch gut ist“, mahnt Bosche. Auch eine professionell wirkende Webseite oder Broschüre sei kein echtes Qualitätskriterium. „Wichtiger ist, dass sie informativ und kundenorientiert sind, damit man sich ein klares Bild vom Anbieter und seinem Kursen machen kann.“

Kunden sollten sich vor Vertragsunterzeichnung umfassend informieren können, sei es in Form eines Infoabends oder einer Sprechstunde, um beispielsweise den Kursleiter kennenzulernen und über die Lehrgangsinhalte oder die angewandte Didaktik zu sprechen. Viele Anbieter lassen sich ihr Qualitätsmanagement auch zertifizieren, etwa nach ISO oder der Lernerorientierten Qualitätstestierung (LQW).

Wie wichtig sind Zertifikate?

In vielen Bereichen spielen Zertifikate eine große Rolle. Berechtigt ein Abschluss zum Beispiel dazu, eine gesetzlich geregelte Berufsbezeichnung zu führen wie den „Geprüften Meister“ oder den „Geprüften Fachwirt“? Oder kann man damit später an einer Hochschule oder Universität studieren? Wem das wichtig ist, sollte genau hinschauen. In anderen Bereichen dagegen beobachtet Brigitte Bosche einen Wandel: Nicht mehr allein das Zeugnis zählt für ein Weiterkommen im Beruf, sondern vor allem die erworbenen Kompetenzen. „Vor diesem Hintergrund spielt die Qualität des Lehrangebots eine größere Rolle als das Zertifikat, das am Ende erworben wird. Gute Lernergebnisse sind aber nur mit gutem Lehrpersonal möglich.“

Wie erkenne ich gute Lehrkräfte?

Für den Erfolg einer Weiterbildung ist daher ganz entscheidend, wer den Kurs leitet. Die Qualifikation von Trainern ist aber oft schwer zu beurteilen; vorgeschriebene Ausbildungen oder pädagogische Abschlüsse gibt es in der Regel nicht. Interessenten sollten daher die Probe aufs Exempel machen: Wie aktuell ist das Wissen des Trainers? Welchen Praxisbezug hat er oder sie? Und wie anschaulich wird der Lernstoff den Teilnehmern vermittelt? All das sollte man erfragen oder – noch besser – bei einem Probeunterricht selbst erleben können.

Wie ist die Ausstattung?

Auch die Infrastruktur muss stimmen: Gibt es zum Beispiel genügend Computerarbeitsplätze? Ist die Software aktuell? Wird berufstätigen Eltern eine Kinderbetreuung angeboten?

Neben dem DIE hat auch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) all diese und weitere wichtige Fragen in einer „Checkliste Qualität beruflicher Weiterbildung“ zusammengefasst. So rät das BIBB zum Beispiel auch, gegenüber Schnellkursen kritisch zu sein, die einen neuartigen Berufsabschluss versprechen – aber auch gegenüber Weiterbildungen, die sich über einen langen Zeitraum erstrecken und trotzdem nur Grundfertigkeiten vermitteln. Tong-Jin Smith

Kurze Checkliste des DIE:

www.die-bonn.de/esprid/dokumente/

doc-2006/die06_01.pdf

Umfangreichere Broschüre des BIBB:

www.bibb.de/checkliste

Für Trainer, Kursleiter und Dozenten:

Datenbank „Qualidat“ mit derzeit

rund 2000 Qualifizierungsangeboten

für Weiterbildner:

www.die-bonn.de/weiterbildung/qualidat

Autor

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